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Jenseits des Krieges (Ruth Beckermann, 1996)

Dokumentarfilm potenziert Öffentlichkeiten!
Land: Österreich
Regie: Ruth Beckermann
imdb.com

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Taxonomie: 

„Wer sich der eigenen verschütteten Vergangenheit zu nähern trachtet, muß sich verhalten wie ein Mann, der gräbt. Vor allem darf er sich nicht scheuen, immer wieder auf einen und denselben Sachverhalt zurückzukommen - ihn ausstreuen wie man Erde ausstreut, ihn umwühlen, wie man Erdreich umwühlt.“1

Dokumentarfilm schafft Öffentlichkeiten um Dunkelheiten zu erhellen; um das Licht in jeden Winkel des Raumes vordringen zu lassen. In Jenseits des Krieges von Ruth Beckermann und Peter Roeshler begegnet man einer tiefschwarzen Dunkelheit, die im grellen Licht des öffentlichen Raums der Ausstellung Stück für Stück zu dämmern beginnt. Dieser Dokumentarfilm potenziert Öffentlichkeiten, indem er eine Öffentlichkeit dokumentiert2.

Täterschaft schafft Öffentlichkeit, indem im öffentlichen Raum diskutiert und darüber gestritten wird, ob das, was in der Ausstellung Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941-1944 zu sehen ist bzw. verhandelt wird, der Wahrheit entspricht oder eben nicht; ob es differenziert aufgearbeitet oder einseitig dargestellt worden ist. Diese Öffentlichkeit ist fix und unveränderbar aufgrund ihrer Dokumentation. Öffentlichkeit selbst kann man begreifen als einen Austausch von Informationen, als einen Ort der Kommunikation, sei es als Dialog im öffentlichen Raum (Anwesenheit) oder als Mitteilung über ein Medium (Abwesenheit). Setzt man sich in diesem Zusammenhang mit dem Begriff Öffentlichkeit im Bezug auf den Dokumentarfilm Jenseits des Krieges näher auseinander, stellt man fest, dass nicht nur eine Öffentlichkeit dokumentiert wurde, sondern sich aufgrund der filmischen Dokumentation weitere Öffentlichkeiten potenzieren. Eine zweite, unspezifische Öffentlichkeit entsteht dann, wenn der Film von einer Gruppe bzw. einem Einzelnen betrachtet und verarbeitet wird.

Jenseits des Krieges schafft Öffentlichkeit, indem Informationen im Sinne einer Mitteilung verändert werden. Die Filmemacher sind insoweit Teil dieser Öffentlichkeit, da dieser Dokumentarfilm einigen konzeptuellen Entscheidungen3 unterliegt, dieser Akt ein Politischer ist und somit zwischen dem Medienprodukt und de(n)m Betrachter(n) eine weitere imaginäre und transitorische Öffentlichkeit entsteht4. Diese Sphäre der Generierung einer Öffentlichkeit ist dem Genre Dokumentarfilm inhärent, auch wenn nicht, wie an diesem exemplarischen Beispiel diskutiert, schon eine Öffentlichkeit dokumentiert wurde. Das Besondere im Diskurses über Öffentlichkeiten und Dokumentarfilm konstituiert sich demnach genau an diesem Punkt: dokumentarischer Film grenzt sich aufgrund einer Potenzierung von Öffentlichkeiten von übrigen Filmgattungen ab.

Öffentlichkeit potenziert Öffentlichkeit. Von Potenzierung der Öffentlichkeiten kann man deshalb sprechen, da auf der zuvor bestimmten Ebene der Öffentlichkeitsgenerierung zu erkennen ist, dass diese Öffentlichkeit transitorisch ist, somit als eine flüchtige und bedeutungsüberschüssige begriffen werden kann. Aus diesem Bedeutungsüberschuss heraus potenziert diese Öffentlichkeit bis ins Unendliche Öffentlichkeiten, die nämlich dann entstehen bzw. erzeugt werden, wenn sich ein weiterer Diskurs/Rezeption über den Film selbst, seine Herangehensweise und Ästhetik, entwickelt. Denn jegliche Rezeption, jeglicher Diskurs, sei er auch von gleichen Betrachtern geführt bzw. vollzogen, erzeugt andere Bedeutungen und somit andere Öffentlichkeiten. Die Zeit und die Bedeutung selbst sind in diesem Zusammenhang als Produkte einer Multiplikation zu verstehen. Öffentlichkeit potenziert deshalb Öffentlichkeit, weil sich aus ihr heraus stets neue Diskurse/Diskussionen herausbilden werden.

Dokumentarfilm potenziert Öffentlichkeiten um dauerhaft Diskurse zu erzeugen. So banal dieser Ansatz sein mag, so provokant ist auch das, was daraus resultiert: wenn keine Öffentlichkeiten entstehen, können auch keine weiteren potenziert werden; wenn sie sich nicht gegenseitig potenzieren, triumphiert Schweigen und Unwissenheit. Ohne Öffentlichkeit kein gesellschaftlicher Diskurs. Ohne gesellschaftlichen Diskurs keine Möglichkeit zur Demokratie.

(TO, 12.05.09)

Quelle und Verweise: 

Jenseits des Krieges, Regie: Ruth Beckermann, DVD-Video, Hoanzl 2007; (Orig.: AT 1996).