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historia oficial, La (Luis Puenzo, 1985)

Eine filmhistorische Einführung


Land: Argentinien; AKA: Verschwundenen, Die
Regie: Luis Penzo
Darsteller: Héctor Alterio, Norma Aleandro, Chunchuna Villafañe u.a.
imdb.com

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Taxonomie: 

„The Official Story is a thought-provoking, indirect yet resolute approach to the greatest Argentine tragedy of the century: the degeneration into secret genocide of the so-called 'dirty war' against terrorism in the mid-and late-'70s.“ (Variety, 1984)

„Je größer das Geschenk ist, das ich Ihnen zu übergeben habe – und was hat der Mensch dem Menschen Größeres zu geben als Wahrheit? – desto mehr muß ich Sorge tragen, daß sich der Werth desselben unter meiner Hand nicht verringere. Je lebendiger und reiner Ihr Geist in dieser glücklichsten Epoche seines Wirkens empfängt, und je rascher sich Ihre jugendlichen Gefühle entflammen, desto mehr Aufforderung für mich, zu verhüten, daß sich dieser Enthusiasmus, den die Wahrheit allein das Recht hat zu erwecken, an Betrug und Täuschung nicht unwürdig verschwende.“ Es handelt sich dabei um Worte von Friedrich Schiller aus seiner Antrittsvorlesung Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte? in Jena am 26. Mai 1789. Damit beschreibt Schiller genau jene Suche nach Wahrheit, die den Film auf mehreren Ebenen vorantreibt. Die Komplexität von Verdrängen und Erinnern wird im Film ebenso thematisiert wie die Problematik falscher Geschichtsschreibung. Noch einmal Schiller: „[...] und was hat der Mensch dem Menschen Größeres zu geben als Wahrheit?“
Für die Lektüre des Films ist es sinnvoll den historischen Kontext zu betonen. La historia oficial setzt sich mit den Ereignissen rund um den sogenannten Schmutzigen Krieg im Argentinien der 1970er Jahre auseinander. Die Handlung des Films ist genau in jenem Jahr angesiedelt, als Argentinien nach langer Periode der Instabilität langsam zur Demokratie zurück findet. Seit der Flucht von Juan Péron Ende der 1950er Jahre war das Land gezeichnet von häufig wechselnden Regierungen, niedrigem Wirtschaftswachstum und zunehmender sozialer Spannungen. Den verschiedenen Regierungen gelang es nicht, die Wirtschaft wesentlich zu beleben. Als Jorge Rafael Videlas reaktionäre Militärjunta am 24. März 1976 die Macht erlangte, kam es nicht nur zur Auflösung des Parlaments: Vereine, politische Parteien und Provinzregierungen wurden verboten; etwa 30000 Linksgerichtete verschwanden meist spurlos. In ihrer Regierungserklärung hatte die Junta erklärt, ihre Politik an der Basis christlich-konservativer Werte auszurichten, aber gegen die Guerillaorganisationen und sonstige Akte der so genannten Subversion vorzugehen. Schon nach wenigen Wochen wurde klar, dass die neue Regierung das Ziel der Subversionsbekämpfung mit aller Härte verfolgen würde. In etwa 340 neu eingerichteten Anstalten wurden zeitweise willkürlich ausgewählte Personen ohne Prozess monate- oder jahrelang festgehalten und systematisch gefoltert. Nur eine kleine Anzahl kam wieder frei. Schwangere Frauen wurden teilweise nach der Geburt ihrer Kinder ermordet, um die Kinder zur oftmals bezahlten Adoption an Familien von Offizieren weiter zu geben.
Die Hauptdarstellerin des Films Norma Aleandro war aufgrund ihrer liberalen Ansichten – wie zahlreiche andere progressive Schauspieler und Schauspielerinnen – gezwungen, während der Militärdiktatur das Land zu verlassen. Nach dem Fall der Militärregierung 1983 kehrte sie wieder zurück. Über ihren Charakter Alicia sagte sie selbst: „Alicias persönliche Suche ist gleichzeitig die Suche meiner Nation nach der Wahrheit über unsere Geschichte. Der Film ist positiv in der Art wie er demonstriert, dass sie ihr Leben ändern kann trotz all dem, das sie verliert.“ Der Film war einer der ersten, der sich nach dem Sturz der Militärregierung mit Thematiken wie Unterdrückung, Folter und Entführung dezidiert befasste. Die Besonderheit des filmischen Umgangs mit dieser Barbarei liegt grundsätzlich darin, dass der Regisseur nicht versucht bestimmte Bilder davon zu zeichnen, sondern die Aufarbeitung der Ereignisse Jahre später anhand eines emotionalen Handlungsstrangs thematisiert.
„Geschichte ist die Erinnerung von Menschen.“ So leitet die Protagonisten Alicia ihre erste Geschichtsstunde ein. Stück für Stück formuliert der Film über Erzählungen und Diskussionen eine Form von Geschichte, die ganz im Sinne des von Schillers beschriebenen Anspruchs an seinem Gegenstand betrachtet werden kann.

„Beside ‘The Official Story’, most of the political movies of recent years seem tub thumpers and point pounders. Mr. Puenzo's film is unwaveringly committed to human rights, yet it imposes no ideology or doctrine. The further miracle is that this is the 39-year-old director's first feature film.“ (Walter Goodman, The New York Times, 08.11.1985)

(T.O.,18.04.2012)

Quelle und Verweise: 

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