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Before Night Falls

Fassung: 
Deutsche Synchronisierung
Status: 
Fehlerhaft
Zitate: 
Bäume haben ein geheimes Leben. Es offenbart sich nur jenen, die bereit sind, sie zu erklimmen.
Ich erinnere mich nicht, wann ich geboren wurde, aber als ich 3 Monate alt war, kehrte meine Mutter in das Haus meiner Großeltern zurück, mit mir als Beweis ihres Unglücks.
Meine Kindheit war unvergleichlich schön, aufgrund der absoluten Armut und der absoluten Freiheit… Ich verbrachte sie Draußen, umgeben von Bäumen, Tieren und Menschen, die sich nicht für mich interessierten.
Das außergewöhnlichste Ereignis meiner Kindheit, das bescherte mir der Himmel. Wasser floss die Rinnsteine entlang, hämmerte wie Kugelhagel auf das Blechdach, brauste über die Bäume, wie eine gewaltige Armee, überflutete alles und bildete anschließend Wasserfälle, prasselte in Regentonnen, wie ein Trommelkonzert. Wasser fiel auf Wasser, triefend und pfeifend geriet jegliches außer Kontrolle und unter dem Bann der fesselten Gewalten riss es, mit seiner unbändigen Kraft, fast alles hinweg, was ihm in den Weg kam: Bäume, Steine, Tiere, Häuser. Es war das Geheimnis der Zerstörung, das Gesetz des Lebens und ich war mittendrin und die Wasserfluten brüllten meinen Namen.
Und hier stehe ich mit aufgekrempelten Hosenbeinen im Bach und denke nach; als ich Schüsse höre und alles liegen und stehen lasse…
Menschen die Kunst schaffen sind gefährlich, für jede Diktatur. Wir suchen nach dem Schönen und die Schönheit, die ist der Feind. Die Künstler entfliehen der Wirklichkeit. Künstler sind Konterrevolutionäre und deswegen bist du jetzt ein Konterrevolutionär, Reinaldo Arenas und weist du wieso? Ganz einfach, weil es jemanden gibt, der etwas, das man Schönheit nennt, nicht beherrschen kann, deshalb heißt es, alles vernichten und das Resultat ist 400 Jahre kubanische Kultur sind im Begriff ausgelöscht zu werden und alle spenden Beifall.
Es gibt vier Arten von Schwulen, ist dir das schon mal aufgefallen? [...] Also: da wären die Hundehalsbandschwulen. Sie sind sehr laut, stellen sich gern zur Schau und ihrer sexuellen Gier sind überhaupt keine Grenzen gesetzt. Ja und daher verhaftet man sie auch ständig. Das System hat sie mit einem dauerhaften Halsband versehen, weißt du warum? So kann man sie besser an den Haken hängen und ab geht’s ins Lager zur Umerziehung, nach Mal Pariso. Dann sind da noch die Durchschnittsschwulen. Sie treffen sich mit anderen Schwulen, haben eine Arbeit, gehen in den Filmclub, trinken gerne Tee mit Freunden, schreiben von Zeit zu Zeit ein Gedicht, haben sexuelle Beziehungen nur zu anderen Schwulen, gehen nie ein Risiko ein und lernen so auch nie einen richtigen Mann kennen. Die dritte Art: das sind die Verkackten, ja, keiner weiß, dass sie schwul sind. Sie sind verheiratet und haben Kinder. Sie schleichen sich heimlich in die Pissoirs und haben immer noch dir Eheringe von ihren Frauen. Diese Sorte ist schwer auszumachen, aber ich hab hier einen. […] Meistens sind es auch diejenigen, die andere Schwule missbilligen […] Und Viertens: die Königstunten. Diese Exemplare gibt es nur in kommunistischen Ländern. Sie haben direkte Beziehungen zu Maximo Lider oder einen Spezialauftrag bei der Staatssicherheit. Sie haben das Privileg offen schwul sein zu dürfen, können das Land nach Belieben verlassen, ja so oft sie wollen. Sie schmücken sich mit teuren Juwelen, schöner Kleidung und manchmal haben sie auch Privatchauffeure.
Es gab auch eine sexuelle Revolution, die mit der Aufregung der offiziellen Revolution einherging. Aber die Trommeln der Militaristen übertönten noch immer den Rhythmus der Poesie und des Lebens.
Selbstverständlich kam die Revolution nicht jedem zu Gute.
Der von den Blitzen erleuchtete Himmel wurde durch elektrisches Licht ersetzt, das in regelmäßigen Abständen an und aus ging, unmöglich zu träumen oder zu vergessen, wo ich mich befand. Wie hatte ich gehofft hier unerkannt zu bleiben [in El Morro], aber Gefangene sind Wesen, die alles wissen. Besonders über ihre Mitgefangenen.
Kubaner machen eine Menge Lärm. Es liegt in ihrer Natur. Sie haben das Bedürfnis Andere zu stören. Sie können sich weder still freuen, noch still leiden.
Meine Liebe: meine Liebe das Meer, meine Liebe das Meer. Es wird mich aufwecken, aufwecken, aus diesem Traum, aus diesem Alptraum, diesem Alptraum. Er ist weg. Er ist weg. Er ist weg.
Tatsache ist: einen Schwulen zu resozialisieren, dass ist unmöglich. Wie oft haben wir den schon beschlagnahmt, diesen Konterrevolutionären Dreck? Ist dir nicht klar, dass du damit dein Leben aufs Spiel setzt? Wir können dich verschwinden lassen oder du bist morgen frei, `hängt von dir ab. Aber wenn du weiterhin so schreibst, ändert sich für dich nicht viel. Ich gebe dir fünf Minuten Zeit, denk darüber nach.
Kein Schwuler kann innerhalb von Minuten eine Entscheidung treffen, wenn er beim Nachdenken dabei zusehen muss, wie sich ein gut aussehender Leutnant den Schwanz reibt.
Ich bezeichnete mich selbst als Verräter, als sittenlosen Konterrevolutionär und während ich an fast nichts anderes als ein riesiges Rohr denken konnte, dankte ich der Regierung für ihren Edelmut und die Größe Leutnant Viktors.
Ich entsage meiner homosexuellen Neigung und bekenne mich zu der Revolution, die mich erleuchtet hat.
Ich wurde fast ohnmächtig, als ich seinen Schwanz an meinem Gesicht spürte.
Die Revolution wird einen Weg finden dein Talent zu nutzen. Wir haben schon einen Platz für dich, ein paar Gespräche, ein Brief an deine Freunde, deinen Verleger. Du schreibst wie nett man mit dir umgeht. Ich glaube, das wäre ein guter Anfang.
In Frankreich wurde es als bester fremdsprachiger Roman ausgezeichnet und ich habe nicht mal eine Wohnung.
Warum schreibst du? – Ich schreibe aus Rache.
Der Unterschied zwischen dem Kommunismus und dem Kapitalismus besteht darin, dass wenn dir jemand im kommunistischen System in den Arsch tritt, musst du applaudieren, im kapitalistischen darfst du schreien.
Der Mond taucht den Tod in ein Licht, dass ihn und einen hellen Stern funkeln lassen, mitten in einem Hinterhof.
Wanderungen durch Straßen, die zerfallen, denn die Rohre der Kanalisation sind geplatzt. Vorbei an Gebäuden deren Nähe man meiden muss, weil sie einzustürzen drohen, vorbei an mürrischen Gesichtern, die einen prüfend ansehen und verurteilen, vorbei an geschlossenen Büros, geschlossenen Geschäften, geschlossenen Kinos, geschlossenen Parks, geschlossenen Cafés. Manchmal findet man aufgehängte Schilder mit Rechtfertigungen, die längst verstaubt sind. Wegen Renovierung geschlossen, wegen Reparaturarbeiten geschlossen. Welche Art von Reparaturen? Wann sind diese Renovierungen, diese Reparaturen beendet? Wann wird zumindest einmal damit begonnen? Geschlossen, geschlossen, geschlossen, alles geschlossen. Ich komme an. Ich öffne unzählige Schlösser, laufe die provisorische Treppe hinauf und da ist sie und wartet auf mich. Ich entferne das Tuch und betrachte die staubige kalte Form. Ich wische den Staub ab und streichle sie immer wieder. Behutsam säubere ich ihre Rückseite, den Sockel, die Seiten. Ich bin verzweifelt, glücklich bei ihr zu sein, meine Finger gleiten über die Tasten und sofort setzt sich alles in Bewegung. Das Tack, Tack, das Klingeln, die Musik beginnt, zunächst langsam, dann schneller, jetzt in voller Geschwindigkeit. Mauern, Bäume, Straßen, Kathedralen, Gesichter und Strände, Zellen, winzige Zellen, riesige Zellen, Sternenhimmel, nackte Füße, Pinien, Wolken, hunderte, tausende, eine Million kleiner Papageien, ein Schemel, eine Kletterpflanze. Sie alle eilen herbei, alle finden sich ein, alle kommen zu mir. Die Wände dehnen sich aus, das Dach verschwindet und man beginnt ganz natürlich zu schweben. Man schwebt, schwebt hingerissen, schwebt mitgerissen, emporgehoben, getragen, beflügelt, verewigt, errettet, dank diesen feinen beständigem Rhythmus, dieser Musik, dank diesen immerwährenden Tack, Tack.
Ich bin niemals zuvor jemandem begegnet, der so echt ist, wie du, Lazaro. Niemals.
Quelle: 

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