Twitter RSS Flickr

Baiser, Le (Max Ernst, 1927)

Taxonomie: 

Die Realität ad absurdum führen. Zwei Körper in eins gepresst. Mit flüssigen Linien und hybriden Formen, die sich amöbenhaft um alles schlingen, was Widerstand leistet. Eine malerische Leistung. Ein konzeptueller Akt im Malen. Blau, braun und schwarz gemischt. Mit flinken und leicht sichtbaren bzw. erkennbaren Händen und Füßen. Da ist ein Gesicht und vielleicht mag man auch ein halbes Weiteres sehen. Wie beliebig liege ich in dem Horizont, der gebrochen ist, der von zwei Seiten kommt: zwei Figuren, zwei verschiedene Charaktere mit zwei unterschiedlichen Persönlichkeiten. Das ist die Magie, die in diesem Bild liegt, nicht zu wissen, was man eigentlich genau sieht, sondern entscheiden zu müssen, was man eigentlich sehen will. Gibt es da nun Mann und Frau; Mann und Mann; Frau und Frau. Was setzt ein Kuss voraus: Automechanismus oder Liebesakt; freiwillige Entscheidung oder zwanghaftes oder gar natürliches ineinander fallen. Zufälligkeiten, die der Surrealismus voraussetzt, erfordern mehr Zufälligkeiten in jedweder Betrachtung, ob heute, morgen oder irgendwann. Sind da überhaupt menschliche Formen, ist da überhaupt menschenähnlicher Geist. Sicher bin ich in jedem Fall nicht.

Quellen und Verweise: 

Max Ernst, Le Baiser, Venedig: Peggy Guggenheim Collection 12.03.2012.