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Viennale 2011

Eine einzige Einstellung. Lang. 90 Minuten ohne Schnitt. Trotzdem keine Starrheit im Filmbild. Im Gegenteil. Die Kamera ist fast immer in Bewegung; immer unterwegs und agil. Die Geschichte ist simpel: Ein philippinisches Mädchen auf der Abreise nach Deutschland zu ihrem zukünftigen Ehemann; alles ist arrangiert; alles ist abgemacht; es wird teuer dafür bezahlt. Natürlich kommen da Zweifel auf; Angst und andere Emotionen. Das alles ist von der Kamera auf Bild, in digitales Bild gepresst. Einerseits eine realistische Geschichte über Zu- und Umstände; ein Bild verfallender oder in sich einfallender Werte. Andererseits die Reflexion über die Kamera, die Filmeinstellung, das Filmbild. Was macht sie möglich oder was macht sie aus, diese eine einzelne Einstellung. Es erinnert mich auch an John Lennons und Yoko Onos Filmexperiment Rape (1969), indem sie eine Dame auf offener Straße verfolgen, ohne ihre Zustimmung, ohne ihr Einverständnis. Dieses bewusste Hervortreten der Kamera, diese bewusste Inszenierung beobachte ich hier nicht. Vielmehr tritt man als Betrachtender in die Kameraposition hinein und ist Teil dieser Handlung; Teil dieser Dramatik; verliert sich darin. (T.O.)

Eine Phrase. Ein kurzes Wort. Und Schnitt. Kurz Handeln; etwas Tun. Dann eine Phrase und ab ins nächste Abenteuer. Dieselben Worte. Eine andere Handlung. Dieselbe Ausgangsposition, ein anderes Handeln, ein anderes Tun. Ganz spielerisch durch Paris geirrt. Schnell. Flüchtig. Die Eindrücke rasen an mir vorbei. Ich bin erregt. Ich bin erheitert. Bereitwillig mitzulaufen. Teilzunehmen an ihrem spielerischen Spiel. Zwei Mädchen in Paris. Was tun. Was tun. Ich renne neben ihnen her, gebe ihnen Nahrung, zu essen, erfülle sie mit Wärme; ganz einfach, weil ich diesen Film, dieses kurze, abgöttische Vergnügen lieb gewinne, weil ich mich daran labe wie an einem unfertigen, noch flüssigen Rührei. Ich schlinge es in mich hinein. Einfach so. Ohne Grund. Ich habe Hunger nach mehr. (T.O.)

Da ist Schönbergs Musik omnipräsent. In lauten und grellen Operntönen ist die Musik über das Filmbild gelegt. Montiert sozusagen. Das Bild trotzdem eigenständig. Die Musik und der Gesang diegetischer sowie extradiegetischer Bestandteil. Die Opernsänger sind starr wie auf einer Theaterbühne. Und zunächst kommt einem das Filmbild auch wie eine theatrale Kulisse vor, die dem 'Schauspiel' als Kulisse, als Hintergrund dient. Doch immer wieder bewegt sich die Kamera. Sie zeigt sich, tritt vor das Geschehen – also die Musik. Sie ist stets eigenständig. In diesen Momenten ist der theatrale Geist aufgebrochen und es manifestiert sich Film. Film über alles. Ein Schwenk in Reißmanier. Schnelle Schnitte. Hier und Da ein Detail. Die einzelnen Akte durchbrochen von schwarzen oder weißen Filmflächen. Überraschende Bilderfahrungen. Ganz klar: Dieser Film ist auch ein Film über Film. Die Musik existiert bereits in ihrer Brillianz vorab des Films. Der Film kommt dazu und bleibt als solches – unabhängig anfänglichen Eindrucks – als Film in Erinnerung. (T.O.)