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Alfred Hitchcock

Über jeden Zweifel erhaben: Das kann man von Onkel Charlie von Beginn an nicht sagen. Ein Zweifel ist stets präsent und es bleiben Zweifel bis zum Schluss des Films. Letzten Endes gibt es keinen Beweis für die Vorwürfe, die ihm im Film und auch vom Zuschauenden gemacht werden. Es bleiben Indizien: Alles ist angedeutet und ein über filmische Mittel erzeugtes Gefühl des Zweifels, ein Schatten. Zu glauben, dass er der eigentliche Witwenmörder ist, kontert der zweifelhaften Wahrnehmung während der Filmlektüre. Hitchcock inszeniert eine Figur, der zunehmend misstraut wird. Es ist kein Film über das Morden selbst oder die Motivation, das Motiv des Tötens, die Gier nach dem Akt an sich, nach dem lukrativen Gewinn, sondern über die Konsequenzen, die damit verbunden sind, die sich daraus ergeben: auf ständiger Flucht und in ständigem Verdacht sein. Selbst im Kreis der Familie wirkt sein Handeln verdächtig. Insbesondere seine Nichte hat Verdacht geschöpft und als Zuschauende folgen wir ihr in diesem Verdacht. Spannung pur! Dass sich aus dem Verdacht Beweise konstituieren können, die des Rätsel Lösung sind: für den Zuschauenden ja, für die Figuren nein. Der Zuschauende als Mitwisser. Dieses Motiv ist hier extrem präsent: mehr zu wissen als die Figuren im Film – unaufhörlich in die Tat selbst hinein gezogen. Das macht den Zuschauenden in einer Form zum Mittäter, zum Anstifter, Zeugen, Mörder. Alles in einem. Alles in allem natürlich zum Voyeur. Bei Hitchcock ist der Zuschauende immer Voyeur. Das Schöne und das Unaufgelöste ist der Schatten des Zweifels, ein prägnanter Filmtitel. Wer ist der Witwenmörder? Hinsichtlich Charlie bleiben Zweifel. Im Schatten versteckt sich die Wahrheit, welche niemals erhellt. (T. O.)