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John Ford

Erst drei, dann vier, dann fünf und schließlich acht Frauen befinden sich in einer Mission an der mongolisch-chinesischen Grenze, die von einer Rebellengruppe um Tunga Khan bedroht wird. Am Ende des Films werden sieben Frauen die Mission verlassen und so kommt es zum Titel des Films. John Ford zeichnet mit seinem letzten motion picture eine Welt, die in einer Fremde, in der Exotik stattfindet, ohne Möglichkeit Werte zu vermitteln, weil die Welt selbst an diesem entlegenen Ort so verkommen ist, dass der Glaube an das Gute im Menschen nicht mehr möglich ist. Gut ist nur das Opfer, das man zu geben bereit ist. Dr. Cartwright opfert sich als Frau und schließlich auch ihr Leben. Sie begeht eine Sünde sich selbst zu morden und doch ist nichts mit mehr Verständnis verbunden als dieser Akt in dieser Situation: nach Vergewaltigung, Unterdrückung und Gewalt. Den Respekt zu sich selbst verliert diese Figur nie, selbst dann nicht, als sie gebrochen wird: Respekt für den Selbstmord – Zeichen ihrer Stärke, ihrer Selbstachtung. Ford besetzt diese Figur mit Anne Bancroft (Schauspielerin der Stunde) – provokant, energisch, vorbildlich, individuell. Feminismus pur. Sie ist nach ihrer Ankunft scheinbar der Unruhestifter der Mission, der alle aufgebauten christlichen Wertestrukturen mit einem Schlag wuchtig auseinanderbricht – rauchend, trinkend, kämpfend. Am Ende stirbt sie auch für ihre Profession ihres Lebens, in dem sie sieben Frauen und einem kleinen Baby die Freiheit ermöglicht. Fords Inszenierung ist ein bitterer Abgesang an Lebenswertes trotz der starken Figur von Bancroft – kritisch, provokativ, diskursiv. Dafür findet er trotzdem so bunte Farben, dass der Kontrast zwischen Inhalt und Ästhetik sich wuchtig in mein Herz als Zuschauenden drängt. (T. O.)

In Erinnerung getaucht. Das Tal und sein Grün als Sinnbild einer Jugend der Abschiede. Ford erzählt eine Geschichte des Walisischen Idyll, ferner die Geschichte einer Familie, der Morgans – vielschichtig, charakteristisch, prägend. Der Vater, das autoritäre aber liebevolle Oberhaupt und seine vier ältesten Söhne arbeiten in der Kohlemiene wie ein Großteil des Ortes: engagiert, stolz und kraftvoll. Schmutzig und hungrig kehren sie von der Arbeit nach Hause. Von Mrs. Morgan empfangen, geben sie sich ihrem Waschritual hin, das Ford mit Scharm und Witz inszeniert. Am Essenstisch alle beisammen, auch die Tochter Angharad und natürlich der junge Huw. Er ist der Erzähler dieser Geschichte, seine Perspektive wird dem Zuschauenden präsentiert, mit rückwärts gewandtem Blick auf seine Kindheit, versetzt sich der Erwachsene Huw wieder in diese Zeit hinein, zu dem Zeitpunkt als auch er als Letzter sein Tal verlassen muss, auf der Suche nach Arbeit und Perspektive. Fords Film eine Studie über die walisische Arbeiterklasse, Gewerkschaftsarbeit und insbesondere die katholische Kirche, über Liebe, Träume und Familienstolz, über die Tragik des Lebens und auch zufälliges Unglück. Wie grün war mein Tal: in Schwarz/weißen Bildern das Grün nicht sehen, aber spüren können, in jedem Bild. Eine unglaubliche Qualität des Schwarzweißfilms an sich und hier besonders: Farben in der Imagination des Zuschauenden evozieren. Wieder auch ein Film über die Religion und die Frage ihrer Auslegung. Der Priester Mr. Gruffydd gespielt von Walter Pidgeon – aufrichtig, loyal, integer. Von Beginn an, seit seiner Ankunft versucht er im Dorf mit dem Glauben an das Wahre die Seele jedes Einzelnen zu verbessern, zu bewegen und das Scheitern daran ist als wichtiges Signal zu deuten: Religion und Kirche nicht als Instanz der Lösung mehr als Instanz der Unlösbarkeit. (T. O.)

Atmosphärisch in Dunkelheit und Nebel getaucht. Ein Munitionstransport durch den Atlantik. Thema ist: das Überleben und der Kampf auf dem Schiff gegen Alkoholismus, Spionage und Intrigen. Ein düster Film: im tiefem Schwarz und Grau des Filmmaterials sind die Figuren nur Teil einer unruhigen Seelandschaft, Schatten ihrer Selbst, Funktionsapparate. Silhouetten als schemenhafte Abziehbilder ihrer Identität: Seemänner. Zu Beginn steht Schwarz auf Weiß geschrieben, dass sich der Seemann niemals verändert, sondern in seinem Charakter unveränderlich ist, in seiner Seele und seinem Wesen die Qual der See stets aufs Neue wieder aufzunehmen – eine Form der Parabel. Trotz oder gerade wegen und entgegen allen Widrigkeiten, formt sich eine Einheit unter den Seemännern auf der Glencairn. Dort Draußen ist es stürmisch, lebensgefährlich, einsam. Alle hegen dieselbe Sehnsucht: nach Hause kommen. Aber wo ist dieses zu Hause? Diejenigen die davon träumen, haben keines; diejenigen die eines haben, kehren nicht heim. Dieser Film ist auch eine Studie über den irischen Charakter und somit eine Geschichte über Fords eigene Identität. Und doch vor allem ein Kriegsfilm – experimentell, prägnant. Ein Kriegsfilm zur Zeit des Zweiten Weltkriegs – zeithistorisch, aktuell, bitterböse. Im Grunde gibt es kein Happy End. Im Krieg gibt es keine Sieger, Opfer zu genüge. Der Film ein Dokument: die Willkür und Zwecklosigkeit des Sterbens, als Seemann ehrenhaft auf See. Ob Ole der Schwede seine lange Reise nach Hause letztlich erfolgreich bestreitet, kann nur ein Hoffnungsschimmer bleiben. (T. O.)