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Luis Buñuel

Da stecken sie nun in diesem Raum fest. Können nicht heraus. Nein. Sie können nicht heraus. Der Weg ist versperrt. Niemand weiß so recht warum nur. Eingesperrt. Warum rettet uns niemand. Langsam werden sie verrückt. Wer hat schuld. Wo liegen die Gründe. Unverständnis. Man möchte alleine sein. Sich zurückziehen. Doch hier gibt es nur Gemeinschaft. Assoziativ. Unterbewusst. Tag. Nacht. Tag. Nacht. Und die Gemeinschaft existiert. Wenngleich sie keine ist. Dann ist da einer tot. Und dann das Außen. Dort überlegen sie wie sie hinein kommen. Innen und Außen. Kommen nicht über das Tor hinaus. Drinnen mit Axt durch die Wand. Wasserleitung. Einer rasiert sich mit dem Elektrorasierer in dieser Situation. Zum Haare ausreißen. Kabala Schlüssel, der die Tore zum Unterbewussten öffnet. Opferung von Schafen. Erinnerungen. Über OFF-Stimmen. Irgendwas blockiert die Wege die man nicht sehen kann. Ist Tapies hinter dem Klavier? Für jedes Problem gibt es eine Lösung. Die muss nur gefunden aufgeschlüsselt werden. (T.O.)

So klar, so rein, so hell ausgeleuchtet, dass Unschuld und Reinheit offenbar werden: Das ist Cathrine Deneuve in oder als Belle de jour – schön und Tag; die Schöne vom Tag. Die Kontroverse dass sie in ihrer ehelichen Frigidität von einem mit masochistischen Anwandlungen sexuellen Leben träumt, führt zum unerwarteten Handeln ihrer Figur, den Gang in die nachmittägliche Prostitution. Zur einen Seite also ein Leben des Scheins; zur anderen Seite der völligen Entblößung und Entmachtung, denen sie sich jedoch beiden freiwillig bzw. zwanglos gestellt hat. Das verstört zunächst ungemein, da die Erwartung überhaupt nicht gegeben ist. Im Laufe des Films fühle ich mich so langsam in die Figur ein, die ihre Aktion selbst gar nicht begründen kann. Buῆuel umwebt ihre Entscheidungsgewalt mit Montageelementen, die Raum für Deutungen geben. Séverine als Kind, berührt vom Vater oder Großvater, dass die Gründe ihrer sexuellen Verstörung darin erkennbar wird. Zu Beginn ein gegenwärtiger Bezug, der von der Diskontinuität, dem Bruch zwischen dem romantisierenden Element der Kutsche im französischen Park und der Nötigung; Gewaltlust im sexuellen Erniedrigen durch ihren imaginierten – weil in ihrem Traum befindlichen – Ehemann. Das meint vielleicht eine Umkehrung seiner zarten und verständnisvollen Art im realen Leben, eine Form von Sehnsucht. Diese Sehnsucht mag möglicherweise durch ihre Erfahrungen im Freudenhaus gestillt werden. Bizarr bleibt die Stimmung, die durch Kontraste erzeugt wird; gleichzeitig wird damit eine ungeheure Spannungsvielfalt erzeugt, eine Imagination herausfordernd. An Erotik mangelt es durch eine Form von Ausfüllen potentiell überhaupt nicht. (T. O.)

Sinnerman zur Einleitung und Sinnerman zum Ausklang. Eine elliptische Struktur legt uns Buῆuel vor: mit famoser Wirkung. Ein Film über Moral mit einer ironischen Aussage. Die Handlung kreist um Vergewaltigung und Rassismus. Dabei sind die beiden Phänomene im Film so eng miteinander verbunden, dass sie die Grenzen der Schuldigen verschwimmen lassen und erst Buῆuel Stück für Stück in seiner Inszenierung schürfen muss. Das erledigt er nicht in explizierter Form, sondern zeigt es durch das Handeln der Protagonisten. Gleichzeitig muss man konstatieren, dass es sich bei dem Film auch im eine religiöse Ellipse handelt, in der der Priester eine besondere, regulierende und weise Stellung einnimmt, die meines Erachtens so fromm erscheint, dass dahinter eine Form von Ironie verborgen ist. Diese Ahnung bestätigt sich bei der erste Lektüre nur bedingt. Die menschliche Dreieckssituation auf der verlassenen Insel ist zugleich mit einigen Konnotationen verbunden. Ein schwarzer Amerikaner, eine weibliches Kind, ein weißer Amerikaner (Film in schwarz-weiß!). Die Kontexte Rassismus und Vergewaltigung sind darin verwoben – unerwartet; heuchlerisch. Aber es entwickelt sich noch viel mehr aus diesen Verhältnissen. Der schwarze Flüchtling avanciert zum Freund des jungen Mädchens, die auf ihn einen naiven und vorurteilsfreien Blick hat. Der weiße Förster blickt auf den Schwarzen mit aller Voreingenommenheit, die er mehrmals revidieren muss. Für die beiden Männer ist das junge Mädchen Objekt der Begierde, Unschuld, Schönheit, mit der sie unterschiedlich umzugehen lernen. (T.O.)