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Woody Allen

Absoluter Bruch mit den Dingen, die ich bisher gesehen habe. Das fängt bei den anfänglichen Credits an: Keine Musik. Ein tieftrauriger, fast depressiver Film. Für Woody Allen in dieser sehr düsteren melancholischen Form ein Unikat. Ganz leise; mit kurzen lauten Schreien; zu absoluter Stille auf dem Meer, dem Tod – heiliger Woody Allen. Dankbares Geschöpf. Ein durchkomponiertes Tragödienstück bei dem die Charaktere so tief vor sich hin vegetieren, dass einem Angst und Bange wird. Welche Stimmung muss Allen beim Schreiben dieses Drehbuchs gehabt haben; welches Glück empfinden, dass er frei davon geworden ist. Die Reihe seiner Filme liest sich unvorstellbar: Annie Hall 1977; Interiors 1978; Manhattan 1979. Drei Jahre. Drei bezeichnende Filme für Allens Oeuvre. Eine kraftvolle Inszenierung der Familienabgründe; der geheimen Wünsche und Tristessen; der verborgenen Sehnsüchte. Drei Geschwister. Drei Individualitäten. Auf der Suche nach einem bestimmten Ausdruck ihrer Persönlichkeit und keine hat ihn wirklich gefunden. Alle gebrochen. Alle zerrissen. Fast alles ohne Musik: nur für die Hochzeit kurz aufgelegt. (T.O.)

„You are certainly not trivial.“ Der Satz des Films. Die Ironie verkörpernd drücken diese Worte von Tante Vanessa sehr gut die Zerrissenheit des Magiers Stanley aus. Als bekennender Rationalist und Pessimist soll er die Scharlatanerie von Sophie aufdecken und verzweifelt selbst daran: zu detailliert ihr Wissen, zu unvorhergesehen ihre Analysen über ihn. Daraus ergibt sich ein klassisches Allen Katz und Mausspiel und letztlich eine romantische Liebesgeschichte, aber der brillante Wortwitz und die tiefgründigen Diskussionen über das, was möglich erscheint und tatsächlich real denkbar ist, rücken dieses klassische und schon oft gesehene Spiel in ein außergewöhnliches Licht. Allen macht nicht Jahr für Jahr den gleichen Film, sondern treibt die Variation seiner Motive mit Eloquenz, Ideenreichtum und Lust am Ortswechsel auf eine inszenatorische Spitze, die in dieser Quantität ihres gleichen sucht. Das Motiv der Scharlatanerie ist hier in romantischer, südfranzösischer Atmosphäre auf die Spitze getrieben, die in einer Zeit des Scheins hineingesetzt ist und funktioniert. Die Magie im Mondscheinlicht ist eine konstruierte, menschliche Magie, die sich zwar auch irgendwie erklären lässt, aber eben nicht negieren. Dabei bleibt die Romantik spielerisches Beiwerk zwischen der Frage ob Spiritualität und Wahrsagerei Teil der realen Welt sein können, wie stark der Glaube an etwas doch das Leben verändern kann und wie sehr Rationalität die eigene Welt abstumpft. Clive Owen und Emma Stone sind dafür die idealen Schauspielenden, die mit ihrer Präsenz genau jene Weltbilder verkörpern: Owen mit seinem naiv strukturellen Blick als klarer Analyst; Stone als lieblich, sinnliches Feenwesen als Sinnbild der Emotionalität, des Unerklärlichen, des Reizes abseits jedweder Begründbarkeit. (T. O.)

Eine Interviewsituation gelenkt von Godard; seine Montage; sein Gespräch. Hier bleibt er der Direktor, nicht Allen. Allen ist das Objekt der Begierde; das Godard dekonstruieren, analysieren will. Der Theoretiker Godard; mit seinen hypothetischen Fragen zwischen gebrochenem Englisch und Französisch oszillierend. Was macht Godard aus diesem amerikanischen Regisseur? Er zeigt ihn so wie er ihn zeigen möchte -- nachdenkend; seine Filme, seine Arbeit reflektierend. Er zollt ihm Respekt. Die Bewunderung ist ihm in diesem kurzen Video eingeschrieben, in dem Godard oder auch zeitweise Allen versucht über das Fernsehen zu reflektieren -- gesellschaftssoziologisch zu denken. Das Ganze ergibt ein interessantes Filmessay über einen Regisseur; eine faszinierende Persönlichkeit -- klein, witzig, charmant, süß. Godard der rohe, alt gewordene Analyst. Dabei rückt stets Allens Hannah and Her Sisters in den Fokus der Betrachtungen. Dieser Film erschien im selben Jahr, diese Dokumentation ist im Zuge dieses Films in Cannes entstanden; welche Möglichkeiten; welche Chance zwei Regisseure diesen Formats miteinander in Beziehung zu setzen. (T.O.)

Ich beginne langsam diesen Woody Allen von vorne bis hinten zu lieben. Jeder Film hat etwas Eigenes und Individuelles, wenngleich natürlich auch viele Elemente wiederkehren. Die Liebe und ihre Facetten; die Lust und Leidenschaft; sexuelle Aktivitäten. Ständig kehren diese Topoi wieder, aber sie wiederholen sich nicht. Sie sind in ihrer Varianz stets einzigartig. Auch in diesem kurzen und kurzweiligen Komödienstück. Es erinnert von der Geschichte und Phantastik her unglaublich an Shakespeare und das wird hier ja auch thematisiert. Gleichzeitig ist es natürlich mit filmischen Mitteln erzählt und Shakespeare tritt wieder in den Hintergrund. Die Natur und die Darsteller als Kollektiv stehen im Mittelpunkt. Dabei bedient sich Woody Allen keinen detaillierten Aufnahmen, sondern verbleibt in vielen Großaufnahmen, in einem märchenhaften Gestus stecken. Und diese Märchenhaftigkeit versinnbildlicht auch jede Einstellung, jede Szene. Nicht nur deshalb weil Allens Erfindungen so märchenhaft scheinen, sondern weil auch die Geschichte von Träumen und dem Träumen durchzogen ist. (T.O.)

Das Wunder Radio. Das Radio mein Wunder. Andere Töne und sich wiederholende Klänge. Die großen Zeiten des Radios als Massenmedium; also große Informationsröhre; als Medium der Emotionen, der Gefühle, die die Menschen von dem einen zum nächsten Moment in völlig andere Sphären manövriert. Die Tage des Radios; Tage und Stunden des Zuhörens und Hinhörens; sich Zeit fürs Radio nehmen und wirklich zu hören. Woody Allen als Erzähler, der die Geschichte eines Jungen und seiner Familie, dem Leben mit dem Radio erzählt. Diese Zeiten des Krieges; der zweite Weltkrieg ist so stark mit diesem Medium verbunden; ein Medium des Krieges. Dabei spielen sich zwangsläufig viele kleine Geschichten; Lebensgeschichten ablaufen, emotionale und tief verwurzelte Momente in dieser Städtekultur; hier: ein ganz anderer Teil; nicht in einer bürgerlichen, intellektuellen Kultur, sondern in armen Verhältnissen; in einer Arbeiterkultur, am Rande der eigentlichen Glamourwelt, Manhatten. Das ist schon bemerkenswert für Allens Werk. Dabei ist es sicherlich angebracht Allens eigentliche Wurzeln zu betrachten; zu analysieren. (T.O.)

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