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Woody Allen

Es ist stets eine Stadt und stets aufs Neue eine spezielle, aber positivistische Sicht auf diesen Raum. Bei Woody Allen kommt man zu keinem anderen Seheindruck, weil er es versteht seine gewählte Stadt so individuell und lebendig darzustellen, zu inszenieren, dass man sich stets aufs Neue ertappt nach dem Kino jene Stadt, in der man sich befindet mit anderen Augen zu sehen. Ich halte das für eine unvergleichliche Qualität. Insbesondere deshalb, weil Allen auch in diesem Film versteht zu überraschen mit seiner Komik bzw. den komödiantischen Einfällen, die jeden seiner Filme charmant und individuell machen. Freilich kommt es stets zu denselben Themenfeldern, aber doch variiert. Begnini als hoffnungsloses Bauernopfer der Mediengesellschaft – übertrieben, zugespitzt, anstrengend. Oder diese Satire auf die Oper: ein italienischer Bestatter als Naturtalent und unentdecktes Genie. Das liefert er nur, wenn ihm das Wasser auf den Kopf prasselt und ihm die Seife aus dem Gesicht spült. Nur dann kann er singen bis der Arzt kommt. Also warum nicht die Dusche mit in eine Operninszenierung integrieren ?! – so abwegig, so absurd und doch der große Einfall des Films, der mich erneut begeistert und in eine Allen-Manie versetzt. (T.O.)

Ab nach Barcelona. Ab in eine andere Kultur. Zu anderen Menschen. Zu völlig anders gelagerten Gefühlsabenteuern. Diese Flucht oder Reiselust ist gleichzeitig ein Abenteuer ohne Grenzen und ohne Scham. Ganz im Stile von Woody Allen in New York sind in Barcelona alle Protagonisten, die wichtig sind einer melancholisch-glücklichen Stimmung unterworfen. Auch dieser Allen Film ist einmal mehr eine Hommage an die Stadt selbst: Die Figuren sind als Touristen die Vehikel der Stadtarchitektur. Mit dem Sehen und der Wahrnehmung der Figuren durch die Stadt. So suggeriert auch der Titel ein ganz individuelles Barcelona von Vicky und Cristina. Diese beiden amerikanischen Freundinnen sind von ihrer Körperkonstitution und ihrem Charakter von Grund auf verschieden: Vicky ist bodenständig, fokussiert, rational und konventionell; Cristina ist leidenschaftlich, intuitiv, emotional und unkonventionell. Vicky als brünette, sehr schmale und knochige Frauenfigur; Cristina ist blond, sinnlich, rund und kraftvoll. In all ihrer Differenz treffen sie auf einen Künstler, den genau diese Unterschiedlichkeit fasziniert und beide umgarnt. Die Probleme in die sie dadurch hinein katapultiert werden unterstreichen wiederum ihre Positionen. Die Unterschiedlichkeit wird in diesem Film auf mehreren Ebenen zum Thema gemacht, bis aufs Äußerste dramatisiert. Die beiden Hauptfiguren bleiben stets im Mittelpunkt aller Handlungsstränge: sei es Cristina im Beziehungsgeflecht Maria Elena – Juan oder Vicky in der projizierten Bedürfnislosigkeit im Ehegeflecht nach amerikanischem Klischee. Dabei ist es natürlich auf einer Ebene auch eine Differenz zwischen den beiden Kontinenten Europa und Amerika, bei dessen Thematisierung auch Klischees wie: Kulturkontinent vs. Wirtschaftsriesen bedient wird. Der Film ist mehr als nur Hommage an die Stadt Barcelona, auch Diskurs über eine europäische und spanische Kultur als Form der Verehrung ausgelegt. Vicky und Cristinas Barcelona ist dahingehend nur eine temporäre Erfahrung: so flüchtig, so unscheinbar, so kraftvoll. (T.O.)

Lebensgeschichten ineinander verwoben. Woody Allen beherrscht diese Kunst inzwischen so gut, dass seine Erzählungen auch außerhalb von New York exzellent funktionieren. Freilich ist das nicht sein erster Film auf diesem Terrain. Ganz im Gegenteil. Aber auch gerade in diesem nutzt er die Gunst der Stunde britische Schauspielende in seine Geschichte zu pressen und sie unglaublich präzise in Szene zu setzen -- leichtfüßig; verwoben; begierig; lebensfroh. Dabei wiederholen sich freilich seine Topoi, aber in dieser Wiederholung steckt keine Langeweile. Das ist die Kunst, die uns seine Filme – und eben auch dieser – offenbart. Seine Geschichten bleiben dabei immer aktuell, weil sie lebensnah bleiben; ganz klar! Der Künstler ist dann wahr, wenn er diese Aktualität stets aufs Neue bestätigen kann. Woody Allen ist ein Künstler. Das Altwerden und die Lebenskrisen, die seine Charaktere mitmachen, durchleben sind immer auch Seinskrisen, Liebeskrisen und Sehnsuchtsanfälle, die sie stillen wollen. All das kann eine Beschreibung für jeden Allen Film sein, dennoch entstand dieser Text für diesen einen wunderbaren Film. (T.O.)

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