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Biographie

Ein biographischer Film auf der Grundlage von Chaplins Autobiographie, die auch in gewisser Art und Weise einen Handlungsmittelpunkt einnimmt; das Schreiben daran. Diese Thematisierung offenbart die Strategien, die Politik, die hinter einer Autobiographie, einer Biographie stecken. Das ist ein wundervoller und spielerischer Aspekt des Films; wie er das auflöst und zum Thema macht. Mister Sir Richard Attenborough hat Erfahrung mit großen Persönlichkeiten, also dem Verfilmen von Biographien und Lebens(ab)läufen. Übrigens treffen sich beide, also Charles und Mahatma 1931 in London; da haben wir quasi einen Verknüpfungspunkt für die Regie seiner beiden großen Biopics – man sagt das so schön. Wunderbarer Chaplin. Natürlich. Einzigartige Persönlichkeit. Ganz bestimmt. Doch was ist dieser Film. Nicht mehr als eine Geschichtenerzählung; eine Beschreibung; ein filmisches Bild eines Filmregisseurs. Sicher. Noch mehr. Ist da formal eine besondere Entwicklung auszumachen im Vergleich zu ähnlichen Filmen. Welches Gefühl entwickelt man beim Sehen. Welchem Fluss entspringen die Bilder. Was liefern uns die Darstellenden. Fragen die in mir bleiben. Unbeantwortet. (T.O.)

„Es gibt keine Gegenwart ohne direkten Bezug zur Vergangenheit. Und es gibt keine Vergangenheit, die ohne – oft negative – Folgen bleibt für Gegenwart und Zukunft.“ (S. 130)

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Wer oder was ist Fritz Lang?! Ein Augenmensch konstatiert Norbert Grob. Das offenbart Untertitel und Einband. Zwischen den Buchdeckeln 447 Seiten eine Narration der Bekräftigung dieser These. Natürlich könnte der Untertitel anders und doch treffend sein, aber mit Langs eigener Aussage, dass er ein Augenmensch sei, als Aufmacher des Buchs lassen sich die Kernthemen von Grobs Biographie signifikant in Beziehung setzen: Fritz Lang ist in erster Linie Beobachter der Welt in der er sich aufhält – akribisch, detailliert, besessen! In zweiter Linie ist er ein raconteur, wie ihn George Cukor auf der Reise von Paris nach Amerika kennen lernte und ihn retrospektiv beschrieb. Grobs Biographie ist voll von solchen Anekdoten und Geschichten, die das Leben und die Person Fritz Lang im Blickpunkt hat. Der Fokus auf seine Filme kann an dieser Stelle nicht zweitrangig sein: „Kino ist kein zweites Leben – es ist mein eigentliches.“ (Rückseite des Einbandes) Grobs Buch ist neben Biographie also auch Filmgeschichte durch und durch. Frieda Grafe schreibt in Für Fritz Lang. Einen Platz, kein Denkmal, dass es ein Geschenk ist mit Fritz Lang eine Persönlichkeit des Films begreifen zu können, die von Beginn an bis weit über die Mitte des 20. Jahrhunderts hinaus das Medium entwickelt, revolutioniert hat und noch heute mit seinem zu prägen im Stande ist. Norbert Grob gelingt mit seiner Monographie ein entscheidendes Puzzlestück zu Fritz Langs Leben und Werk – flüssig, präzise, klar. Oszillierend zwischen Langs Problemen und Lösungen in seinen Welten in Deutschland, Paris und Hollywood gelingen Grob einige bemerkenswerte Passagen zu Lang. Allen voran das einleitende Kapitel zu Langs und Adornos Freundschaft, die ein Leben lang bestand und insbesondere der Abschnitt zu seinem Film Liliom, der andernorts zu oft marginalisiert wurde. Insgesamt bietet die Biographie aufgrund ihrer Verwobenheit mit den Krisen der jeweiligen Zeit auch europäische Exilgeschichte. (T. O.)

Ein schwarz/weißes Bild. Die Kamera zeigt uns teilweise sehr unscharfe Bilder. Eine alte Wiener Wohnung, die angefüllt ist mit irgendwelchen Materialien. Enge Gänge zwischen dem Zeug. Geschirr und Essensreste stapeln sich überall. In diesem Irrgarten lebt ein Mann, der von Schlaganfällen gezeichnet ist, den die Krankheit verändert hat. Es ist eine in Österreich bekannte Persönlichkeit. Das ist eine Schiene des Films, ein Porträt über den gegenwärtigen Zustand von Hermes Phettberg, den Wiener Polyp, das Wiener Sprach- und Stimmenungeheuer. Einst wuchtig, jetzt mit gleichem Charisma mit seiner Krankheit kämpfend, einen Ausdruck suchend. Andererseits – und das in meinen Augen eigentlich viel mehr – zeichnet der Film ein Porträt eines kranken Menschen, dessen Leben so radikal durcheinander geworfen wurde und jetzt nach anderen Parametern, vor allem zeitlich betrachtet, funktioniert. Dahingehend ist es ein wunderbares Zusammenspiel, dass uns einen Menschen zeigt, der unheimlich präsent ist und so sehr leben will, doch gleichzeitig auf die Hilfe Anderer angewiesen zu sein scheint, der alleine in seiner Wohnung Kreise dreht; ohne daran zu denken, damit aufzuhören. (T.O.)

Nur um eins dreht sich das Seiende: Zeit und Ich. Das Ich und die Zeit in einem Zwischenspiel von Vergangenem und Gegenwärtigem gesetzt. Die Zeit geht vorüber und das Ich bleibt in dem Geschehen verloren. Figuren sind das Ich und gleichzeitig wieder nicht, übernehmen andere Funktionen und agieren als anders Funktionierende. Das Ich ins Nichts gestürzt. Das Erzählte wird durch Sprache, insbesondere Sprachkonstitution und sprachliche Neubewertung ausgedrückt; der Transport von Bedeutung existiert nur in Sprache: gesprochen oder mimisch-gestisch ausgedrückt. Nicht die Zeichnung der Figuren oder Beziehungsgeflechte stellen eine Signifikanz aus, weil sie eben überhaupt nicht existent sind. All das scheint den Textflächen von Elfriede Jelinek geschuldet (eben alles ihre Schuld), vielmehr jedoch Produkt inszenatorischer Entscheidung. Martin Kloepfer legt den Fokus seiner Inszenierung von Winterreise auf biographische Aspekte, die der Text Jelineks präsentiert. Das impliziert per se erst einmal nicht die Notwendigkeit einer Deutung im Sinne des Biographismus. Eher noch rücken Themen wie familiäre Sprachlosigkeit oder auch die Un-Kommunikation sowie die sich daraus erwirtschaftende Form vom familiären Macht- und Besitzwillen. Die Konsequenz ist bei Kloepfers Inszenierung psychische Labilität und Beziehungsstörung. Wie sich dieses Verhalten konstituiert kann in der schon fast morbiden Stimmung, welche existent ist, als im Grunde genommen Vergangenheit re-inszeniert wird, durch Gegenwärtiges: drei sprechende, Geräusch erzeugende Figuren setzen eine Kaffee- und Kuchensituation durch das Einbringen von Ton in stumme Handlung der drei Vergangenheitsfiguren in Szene. Das starre und verstummte miteinander bleibt durch das Herbeiführen einer Tonebene überdeutlich bzw. wird dadurch über-inszeniert. Un-Kommunikation setzt die folgenden Szenen voraus, in der immer mehr gesprochen wird, aber noch mehr von den eben nicht existenden, tiefenpsychologisch wahrnehmbaren Figuren, realisiert werden kann. (T.O.)

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