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Exil

"Ausgehend von den Verbrechen des "Dritten Reiches" und des Vichy-Regimes, erzählen Marcel Ophüls' Filme von Schuld und Moral, vom banal alltäglichen Umgang des Menschen mit seiner Verantwortung. Und von der Flucht davor: Das Haus nebenan (1969), The Memory of Justice (1976), Hotel Terminus (1989) – schon diese drei Titel ragen wie einsame Berge aus der Landschaft des Dokumentarfilms. Weil sie Geschichte nicht dokumentieren, sondern vergegenwärtigen, in der leidenschaftlichen Auseinandersetzung mit ihren Haupt- und scheinbaren Nebenfiguren." (Katja Nicodemus)

In den Erinnerungen seiner eigenen Biographie schwelgen, heißt für Marcel Ophüls vor allem auch in der Biographie seines Vaters Max Ophüls zu stöbern. Von Beginn an reflektiert er nicht ganz ohne ironischen Unterton sein Verhältnis zur eigenen Erinnerungsfähigkeit, deren Unzuverlässigkeit im Wesen jeder Autobiographie verhaftet ist. Fiktion und Realität verschwimmen offenkundig. Die Geschichten, die sich über die Buchkapitel erstrecken, sind stets auch gespickt mit der Narration zur Gesellschaftsgeschichte und den Filmgeschichten, die im Kontext dieser beiden Filmemacher von Statten gegangen sind – lose, lakonisch, lehrreich. Aber besonders ist sein Buch eine Reflexion zu seiner Exilthematik, die natürlich auch die Exilerfahrung seines Vaters beschreibt. Dabei wird deutlich mit welchem kosmopolitischen Verhalten sein Vater auf die Notwendigkeit des Exils reagierte: zwischen Frankreich, Italien, Russland, der Schweiz und der USA suchte er unentwegt nach Arbeitsmöglichkeiten. Mit zunehmender Dauer seiner Beschreibungen rückt Ophüls seinen beruflichen Werdegang in den Vordergrund und kommt dafür immer wieder zu Anekdoten, die seine Laufbahn prägten, sei es nun bei der Assistenz für John Huston und dessen Film Moulin Rouge oder der peinlichen Begegnung mit James Mason oder seiner Begegnung mit Marlene Dietrich. Der Film ist so unmittelbar mit der Biographie von Ophüls verbunden, die durch den Kontakt mit den Großen des Kinos von Beginn geprägt ist, gerade – und das betont er immer wieder – weil er der Sohn von diesem Genie Max war. Dass der Tod seines Vaters für ihn so plötzlich kam, mindert nicht die große Anerkennung, die er für seinen Vater hegte. Insofern leuchtet es ein, dass die Erinnerungen von Ophüls gespickt sind mit Geschichten über seinen Vater und er sich selbst in diesen Schatten stellt, vielmehr auch beruflich. Diese Bescheidenheit wird ihm sicherlich nicht gerecht, zeugt gleichzeitig aber auch von seiner Größe. (T. O.)