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Österreich

Ich sehe die Anderen. Ich mag die Anderen nicht. Nicht weil ich arrogant bin, sondern weil ich nicht verstehen kann, wie sie sind; weil ich nicht begreifen kann, warum sie so anders sind; warum ich nicht sie bin. Ich bin anders, weil die Anderen nicht so sind, wie ich bin. Ich bin anders, weil all die Anderen, die ich nicht sein kann, so gerne ohne mich sind. Doch all die Anderen haben jemanden, der an ihrer Seite steht, der sie mehr oder auch weniger mag, vielleicht sogar liebt. Ja. Die Anderen haben jemanden neben sich und sind mindestens schon einmal zu zweit anders als Ich. Ich möchte auch nicht mehr alleine anders sein. Ich möchte zusammen mit jemand Anderem ein Teil der Anderen sein. Vielleicht muss ich mich dafür verstellen. Vielleicht darf ich für diesen Traum nicht mehr so sein, wie ich jetzt gerade bin. Vielleicht sollte ich mich für eins entscheiden. Doch ich mag die Anderen immer noch nicht. Ich sehe sie zwar, aber ich mag sie immer noch nicht. Die Anderen und Ich. Vielleicht gibt es jemand Anderes, der auch anders als die Anderen ist. Vielleicht möchte er mit mir anders sein. Vielleicht aber auch nicht. Was mache ich dann? Was kann ich dann noch tun außer mich verstellen? Was kann ich dann noch tun außer so zu sein wie die Andern? (T.O.)

Eine soziale Studie – still, alltäglich, wuchtig. Eine Wohnsiedlung in Wien; ein Konglomerat diverser sozialer Schichten, die sich in ihren einzelnen Geschichten begegnen, zusammentreffen, in Form eines Episodenfilms. Doch mit dieser Struktur geht etwas besonderes einher: Sie springt zeitlich gesehen vor und zurück und dann wieder ganz mitten hinein. Dabei unterscheiden sich die einzelnen Lebensgeschichten – so realistisch – signifikant voneinander: Eine oder (keine) Beziehungskrise haben alle gemeinsam, aber alle aus unterschiedlichen Gründen; mit disparaten soziokulturellen Ausgangspunkten. Dabei formuliert Spielmann natürliche Filmbilder – und natürliche Tonatmosphäre, die ohne diegetische Musikunter- oder Übermalung auskommt bzw. überhaupt nicht davon abhängig sind. Besonders eindringlich bleibt für mich die Geschichte rund um Eva, die ihre sexuelle Offenbarung mit einem wildfremden Mann erlebt, eine Liebschaft in bestem und erfüllendem Sinne. Die szenische Darstellung und das Schauspiel sind klar, stringent und nicht stilisierend. Der Eindruck absolut menschlich. (T.O.)

Hier oder Da. Dort und nirgends. Überall sind die verschwiegenen Abgründe tief eingegraben in steinerner Natur: Goethe, du unübertroffenes Tier; auf dem Berg; dem Gipfel meiner Seele. Was noch? Was noch! Inzest. Hurerei. Wir Karnickel. Wir Tiere. Der Fehler ist unser Kopf, der Geist, der diese Dinge falsch einordnet. Die Tierwelt verkommt in diesem Maße auf dieselbe Weise, ohne Schuldgefühl; ohne Schmerz. Ich hasse dich. Ich wünschte du wärst tot. Mausetot im Gewitter meiner gedrückten Klaviertasten. Diese Klaviertasten, die über Jahre gestimmt bleiben, die wir kennen, die wir so gut kennen. Dieser Film offenbart nichts Neues. Nur Schauspiel. Nur dieses Schauspiel. Sonst ist da nur Landschaft, eine zwischenmenschliche Geschichte, die keinerlei Wirkung, keinerlei Überraschungsmoment besitzt. Nur Schauspiel. Nur dieses Schauspiel – natürlich, lebendig, kraftvoll. Nicht städtisch, sondern kernig, klar, aufgerieben an der Natur. Abgetragen in nackter, blauer Natur. Stille. Keine Fragen. Stille. Kein Leben. Nur Ficken. Stille. Keine Fragen. Nur Ficken. Mit Papa. Mit Freunden und dem Rest. Nur Schauspiel. (T.O.)

Es ist erstaunlich mit welchem plumpen Wahnsinn und aberwitzigen Konstruktionen man Lachen erzeugen kann. Doch dass dabei ein Thema indirekt verhandelt wird, das zumindest in einem ausführlicherem Rahmen gestellt werden sollte, finde ich höchst fragwürdig. Da befindet sich doch tatsächlich ein Massengrab unter dem Haus am Hinterholz 8. Es ist bedenklich der Umgang damit, überhaupt nicht in dem komödiantischen Zusammenhang – das muss sich nicht negieren –, vielmehr sollte man diese Form von Komik öfter einfordern. Aber mit welcher Geschwindigkeit in diesem Film über die Gegebenheiten der dörflichen Verschleierung und bürgerlichen Moral, die so lächerlich gezeichnet ist, über das Thema gefahren wird, entbehrt jeder Rechtfertigung. Der ernsthafte Umgang damit ist ausgespart – freilich ist dieser Film hochgradig komisch und absolut vergnüglich anzuschauen. Aber diesen oberflächlichen Diskurs muss er sich schon gefallen lassen, wenn er das so thematisiert. Es ist eine bewusste Entscheidung solch eine Thematik einzuweben – und vielleicht bräuchte sie nur etwas mehr Raum, als sie hier bekommt, um funktionieren zu können. In dieser Art und Weise nimmt sie dem Film extrem viel Qualität, weil es nicht mehr komisch, sondern lächerlich wirkt. (T.O.)

Einen Film machen. Über ein Thema, dass man kaum fassen kann. Einen Film gestalten. Mit einer Idee. All das erkennt man hinter Michael. Da gibt es keinen Pathos, nur die Täterperspektive. Sonst nichts. Der Täter ist völlig unscheinbar, hat kaum eine Biographie und das ist in der Tat überhaupt nicht wichtig. Hier geht es nur um den Ist-Zustand. Mehr nicht. Das impliziert einen ganz bestimmten Stil, eine Richtung, eine Meinung und man versteht den Dank an diesen Michael Haneke. Da ist ein ganz klarer Bezug in dem Rhythmus und dem nicht zeigen oder Auslassen von bestimmten Elementen oder Dingen, Strukturen. Das ist zumindest mein Eindruck. Mit dem was ich sehe, stehe ich ein bisschen in Konflikt. Es gibt nur das, was mir gezeigt wird, in klaren Bildern, in atmosphärischen Tönen, Alltag. Darüber geht es nicht hinaus. Doch was erfahre ich dadurch. Warum in dieser Weise einen Spielfilm formulieren. Es ist ein Pseudodokumentarfilm habe ich das Gefühl, der sich sich dessen Elemente irgendwo zu Nutze macht, um Zustände zu inszenieren. Der richtige Umgang damit? Ich weiß nicht. Oder der Bessere? Das dröselt sich mir noch nicht ganz auf. Was passiert mit mir, wenn ich das Gesehene versuche zu kontextualisieren. Was ist da der Kontemplationsprozess? Ich bin mit einem inszenierten Täter konfrontiert, eine exemplarische Studie dessen, was sein könnte. Irgendwo. Neben mir. Über uns. Das ist mir aber doch auch vorher schon bewusst. Oder etwa nicht? Was ist also der Mehrwert vom Film? Er inszeniert mir etwas? Da bin ich mir nicht ganz sicher, wie ich diese Wirkung auf mich begreifen soll. Natürlich: tief betrübt, melancholisch, die Melancholie... Man nimmt das schon auf, was Schleinzer alles damit anders machen möchte und es gelingt ihm auch sein Konzept eindrücklich auf die Leinwand zu bringen. Keine Frage. Aber für mich ist dieses Thema so schwer konsumierbar, vielleicht auch, weil ich selbst Bilder dafür gesucht und für mich gefunden habe. Da gibt es keine Menschen. Da gibt es nur Struktur, nur Formen. Hier gibt es eine konstruierte Geschichte, die mich irritiert. Das ist vielleicht wirklich mein Problem trotz aller Brillianz des Films. Das ist eine Charakterstudie von einem Charakter, der so präzise dargestellt ist. Aber völlig distanziert, völlig weit... Da kommt man noch nicht wirklich damit klar, weil man nicht glaubt, dass es dieser Mann von nebenan gewesen war. (T.O.)

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