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Österreich

Hängt eine gelungene Dokumentation vom Ereignis, also dem Dokumentierten oder der filmischen Interpretation dessen ab. Sicher stellt sich die Frage nach dem Intendierten. Beides ist möglich, freilich auch in Kombination; freilich auch in seiner Varianz. Bei dieser Dokumentation besticht freilich schon die Unfassbarkeit des Themas; ihm ist eine tradierte Einmaligkeit und unaufgeforderte Dramatik gegeben. Das ist auch klar; allein dieses Thema zieht die Leute ins Kino oder nicht. Und dennoch gelingt es ungeheuerlich den Film auch als Film interessant zu betrachten: Der Regisseur, also der Fragern der Interviewpartner inszeniert sich auch selbst, weil er versucht die Gegenpartei zu den Tierschützern mit in seinen Film zu integrieren, um nicht dem Verdacht anheim zu fallen, er würde nur einseitig dokumentieren, womöglich Partei ergreifen. Das wäre wenig demokratisch, wenig dokumentarisch in meinen Augen. Dabei offenbart eben auch keine Aussage, keine wiederholte Aussage eine Aussage. Das ist der Clou, der markante Wurf. An sich ist auch die Struktur, der Rhythmus hin zum Urteil wunderbar gewählt. Allein dadurch bin ich gefangen. (T.O.)

Eine nicht sofort offensichtliche Ellipse. Ein Gegenstand fliegt in das ruhige Wasser und Ringe bilden sich: Erst am Ende findet man wieder bewusst zu diesem Bild zurück und ist gleichsam befriedigt mit den offenen Fragen. Ein atemberaubend subtiler und schöner Film, in dem es eigentlich nur um Emotionen geht. Die Frage der Schuld und der damit zusammenhängenden Rache kann man so nicht ein zweites Mal in einem Film sehen. Die Konstellation ist einzigartig und schließlich freundet man sich mit dem Gedanken fast an , dass dieser Polizist einfach unfähig ist. Aber seine Frage mit der er sich plagt, ist so einleuchtend und verkehrt alles: „Warum hat er sie mit genommen?“ Diese Frau hatte tatsächlich dort nichts zu suchen und irgendwie ist einem auch klar, dass dort etwas passieren muss. Auf einer anderen Ebene beschäftigt einen die Ehekonstellation und der Ehebruch sowie die damit verbundene brutale, animalische Entladung im sexuellen Akt. Das hat einen wunderbaren Charme, wenn man bedenkt, dass der Protagonist dem Mörder seiner Geliebten ein Baby schenkt. Für die filmische Umsetzung des sexuellen Spiels scheint mit Herr Spielmann seit Antares ein präzisen Gespür zu haben. Alles wirkt so lebendig, hautnah und vor allem echt. Eine Passion. (T.O)

Ein österreichischer (Heimat-)Film in einem österreichischen Bauerndorf mit österreichischen Bauernregeln, Kastendenken und sexuellen Aufbietungen sowie sexuellen Unterwerfungen. Kommunikativ ist dort nichts. Kommunikation funktioniert dort nicht. Natürlich geht es auch um Machtverhältnisse und männlich Eitelkeiten, Mord und Totschlag. Dabei treten rituelle Mechanismen in den Blickpunkt filmästhetischer Verarbeitungen. Weil sich die Sieptelbauern, die Mägde und Knechte, gegen die alten und unverrückbaren Traditionen auflehnen. Die Gewaltreaktionen fordern dramaturgische Formen heraus, die mit markanten Montagemitteln umgesetzt werden können und auch umgesetzt werden. Da ist Hin und Wieder ein unglaublich schneller Schnitt -- zeitweise wie im amerikanischen Horrorfilm. Und mit viel Blut wird dort ja auch hantiert und die Sexualität ist hier eine Form der Unterdrückung; der männlichen Gewalt -- und natürlich eine Form die Gebären auslöst; ein maschineller Akt -- wenig Lust von beiden Seiten, weil es diese zwei Seiten nicht gibt. Hier ist der Mann vordergründig mächtig, herrisch und bestimmend oder bestrafend. Vielmehr der Bauer als der Mann. Einseitige Bauerngesellschaft. (T.O.)

Wieder dieser Film und wieder eine tiefe Depression. Auch weil ich wieder gemerkt habe, dass mich Ekelhaftes auch erregen kann. Das macht mir solche Angst und gleichzeitig ist es Teil des Films, Teil des Themas, dass dieser Film verhandelt. Mechanische Sexualität. Ich will per se nicht sagen, dass mich da irgendetwas anwidert, weil schon einige Abnormalitäten zu sehen sind. Aber meiner Erfahrung nach, darf es nicht als abnormal ausgestellt werden. Das wäre falsch. Menschen sind Individuen, aber man darf gegen etwas sein, gegen diese Mechanik, gegen dieses stupide Rein und Raus und da sind die Frauen auch Teil der Maschinerie, Teil des Spiels oder des Lebens, wie man will. Die Verrohung arbeitet Derflinger natürlich exzellent und ohne Pathos heraus. Eigentlich lässt sich auch keine Wertung erkennen, nur wertet man ja selbst oder nimmt die Emotionen der Charaktere auf, die hier ja nicht in dem Milieu aufgewachsen sind. Das ist ja nicht der Fall. Ein ausgezeichneter Film, der mich erneut in eine Melancholie schmeißt, die richtig ist. (T.O.)

Mit voller Kraft ins Leben hinein. Ein Filmbild, das zeigt, offenbart. Eine Geschichte, mehr eine psychotische Studie zum Leben und den Abgründen, dies für jeden bereit hält. Dabei gelingt es Frau Derflinger schlichtweg zu zeigen: eine Situation, Aktion, ein Handeln oder eben Nicht-Handeln. Da gibt es nicht wirklich eine Wertung, mit der wir, als Betrachtende, etwas anfangen können. Natürlich ist die Psychose eindringlich dargestellt – vor allen Dingen die Konsequenzen, die damit verbunden sind. Aber es geht weniger darum nach Ursachen und Notwendigkeiten zu suchen, die diesen Lebensziel bis zum Exitus kennzeichnen. Das macht Derflinger nie. Und zurecht. Viel zu komplex, viel zu tiefschürfend die Problematik dessen. Schon ganz kontrastreich dazu die starke und abgrundtief wohlwollende Darstellung dieser Schauspielerin – rein, ehrlich, wuchtig. Sie rennt in ihr Unglück hinein – unbeirrt, wirr, grundlos? Weg von dieser Forderung nach Gründen! Das braucht man als Betrachtender nicht. Es konstituiert den Film. Es macht den besonders und in Bezug auf den österreichischen Film auch markant. (T.O.)

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