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Gewalt

Emmanuelle je t'aime, tes seins, tes lèvres, ta naturalité. Emmanuelle je t'aime. Das ist unglaublich. Diese wunderschöne Frau in diesem Psychothriller. Das ist französische Schönheit, von der ich träume. Ein wunderschöne Frau, mit Charme, mit lasziven Bewegungen, mit Lebensfreude in einer Welt voller Küsschen und liebevollen Berührungen. Das ist eine Welt, die abgründig ist, weil sie so irreal scheint. Dort tun sich die Abgründe auf. Dort muss man danach suchen, weil es nicht möglich scheint, dass es vollendetes Glück geben kann. Der Schein trügt. Immer der Trug des Scheins, der das Leben charakterisiert. Existiert kein Schein, ist alles ehrlich, so konstruiere ihn, koste es was es wolle, selbst deinen Verstand. (T.O.)

Wahrheit gegen Kodex. Kodex gegen Wahrheit und natürlich beeinflusst von Machtgefügen, die erschüttern, die aufgesprengt werden müssen, weil sie Unrecht erzeugen, das nicht mehr tragfähig ist. Dieses Unrecht gilt es aufzudecken und zu erklären. Dafür gibt es ein Trio an Anwälten, die in schauspielerischen Glanz sich vorwärts arbeiten und vielfältig diskutieren. Dabei entwickeln die Schauspielenden vordergründig betrachtet eine unglaubliche Präsenz, die sich emotional in den Mittelpunkt rückt. Alles Andere differenziert sich davon ab, grenzt sich aus, wie fabelhaft grüne Uniformen. Die Namen lesen sich dafür natürlich wie ein fabelhaftes Buch außerordentlicher Qualität und die Qualität entwickeln sie auch; dieses Spiel formulieren sie mit jeder Geste und jede Miene im scheinbar alltäglichen Miteinander. Doch das ist es natürlich nicht – viel größer, viel abgründiger, viel gewaltbereiter sind die aufzudeckenden Strukturen. Dabei rückt dieser Guantanamo Bay in den Vordergrund, der Jahre nach dem Film für weltweite Empörung sorgen sollte. (T.O.)

Ins Tal steigt er hinab, um zu töten, sich zu rächen... Aus dem Tal steigt er heraus und spürt keine Befriedigung. In dem Racheakt für das Schicksal seines Vaters und seiner Mutter bringt Greider acht Menschen um: den Brennerbauer, seine sechs Söhne und den örtlichen Priester. Andreas Prochaska inszeniert mit Das finstere Tal knallhartes Genrekino, verortet in Südtirol, ein europäischer Western: natürlich mit Referenzen und Bezügen, die aber über eine reine Westernhommage hinaus gehen. „Die Freiheit ist ein Geschenk, das sich nicht jeder gerne machen lässt.“ In diesem Tal herrschen andere Gesetze. Die Bewohner ordnen sich einer gewaltsamen Hierarchie unter, derer die Brennerbauern vorstehen und auch vor sexueller Gewalt nicht zurückschrecken. Am Ende müssen sie mit einer gewonnen Freiheit umgehen, die sie nicht unbedingt wollten. Das ist nur eine Randbemerkung des Films und öffnet Gedanken die Geschichte weiter zu spinnen, verklärt aber auch ihr starres Akzeptieren der tyrannischen Kontrolle des Brennerbauern – mit gehangen, mit gefangen. Der Bruch durch Greider ist demnach weder als Erlösung für das Tal zu verstehen, noch für ihn selbst: ein reiner Racheakt und Sünde durch und durch. Diese Ambivalenz zwischen Suchen und Finden kommt wunderbar in der Inszenierung Prochaskas zur Geltung – opernhafte, übertreibende Filmmusik und eingewobene wummernde Popsongs: Leon Bibbs Sinner Man in zwei verschiedenen Interpretationen an den Anfang und das Ende gesetzt. Das und auch einige andere Elemente erinnern mich an Bunuels The Young One. Sam Riley als Greider spielt einen fremden, wortkargen Rächer, der fast immer tief vermummt auftritt. Rileys Gesicht stets mit einem emotionslosen bzw. gequält lachendem Ausdruck: gezeichnet und getrieben von seinem inneren Zorn. Die große Leistung des Casts diesen Schauspieler unbedingt für diese Figur besetzen zu wollen. Zu guter Letzt sind es die Kamerabilder, die dem Film eine Atmosphäre geben, die einerseits die Kälte und Brutalität als Stilmittel in einer gewissen Westerntradition zu nutzen weiß. Die Winter sind lang und kommen doch zu einem Ende... (T. O.)

Erste Lektüre: Weiser, alter Mann auf Abschiedstournee? Das starke Gefühl des Films. Daneben Eastwoods Darstellung vom kernigen, kriegserfahrenen Mann – authentisch, grunzend, hart und abgrundtief ehrlich. Die Filmkarriere in Regie und Schauspiel – so sind wir eines besseren belehrt – lebt noch weiter. Also hier nicht mehr als ein Charakter, eine Figur, die da interpretiert wird? Ich mag trotzdem an meine biographische Leseweise glauben, vor allem wenn ich daran denke, was mich an dieser Persönlichkeit Eastwood, an seinen Filmen fasziniert. Es trifft in Gran Torino aufeinander, was zuvor mehrfach Thema und Darstellung seiner Filme war: republikanische Gerechtigkeit; Gewalt und Moral; Selbstjustiz. Man möchte aufstehen, aus dem Haus heraus treten und handeln, etwas tun. Seine Filme gerade wegen diesem Idealismus, aufgrund von Moralkeule und Wertesehnsucht. (T.O.)

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Zweite Lektüre: Ein Abschied und doch kein Ende. Clint Eastwoods Reinterpretation seiner Filmlegenden – alles in eine Figur gepresst; fast 100 Jahre Filmgeschichte stecken in diesem Schauspieler und gleichzeitig in diesem amerikanischen Film. Natürlich ist Eastwoods Charakter viel gelassener als andernorts. Da steckt viel mehr Altersweisheit in Herrn Kowalski. Der Zorn über die Ungerechtigkeit bleibt. Die Läuterung durch den Tod von Mrs. Kowalski kulminiert im Opfer, dem Martyrium als Exempel gegen die koreanisch-amerikanische Gangkultur, die sich in seiner Heimatstadt einen Standpunkt erarbeitet hat. Diese Brisanz wird unterfüttert durch Kowalskis Koreavergangenheit und dem damit einhergehenden latenten Rassismus, den er verkörpert und offen zur Schau stellt. Diese Form von Rassenhass paart sich mit der aufkeimenden Neugier die Kultur der Hmong zu verstehen; als solches, was sie tatsächlich ist. Demgegenüber steht tiefer amerikanischer Patriotismus, der sich nicht zuletzt im Titel widerspiegelt. Ganz symbolisch ist demnach der Austausch und die Melange beider Welten zu verstehen: bei der Jugend vermischen sie sich am stärksten miteinander. Thao – in tiefer Freundschaft zu Mr. Kowalski stehend – erbt nach dessen (Selbst)Tod seinen alten Gran Torino. Amerika und Korea vereint und eine gehörige Portion Freiheit in diesem Schlussbild. Das mag im Ansatz noch so klischeehaft daherkommen. Das Endergebnis spricht eine andere Sprache. Die Musik von Kyle Eastwood und Clint Eastwoods alt gewordene, tiefe, unverwechselbare Stimme überfluten den Zuschauenden mit nie dagewesener Demut. Insofern ist in diesem Film nichts überflüssig, oder übertrieben, oder überhaupt Fehl am Platz. (T.O.)

Nichts anderes kann im Kontext mit diesem Film im Vordergrund stehen als die Form, das Bild und der Ton – Harmonie zum düsteren Thema. Schaut euch diese Bilder an; schaut hin und feiert diese Effekte. Grenzenlos diese Möglichkeit in der Computertechnik und ich springe in diese blaue Zwischenschicht hinein, die uns der Film eröffnet, möchte dort nicht mehr heraus, weil alles möglich ist, auch der Blick zurück. Genau darum dreht sich der ganze Filme, um den Blick zurück; ohne Umschweife – eine abgeschlossene Seelenstudie. In Kombination mit dieser Mimik bebt mein Herz. Man fühlt sich so frei und das ist doch paradox, wenn man bedenkt um welche Brutalität und Abgründigkeit es hier geht. Ich finden die Herangehensweise an so einen Stoff hoch spannend. Aber das ist vermutlich eher die Leistung des Buches, der Vorlage für diesen Film. Aber was will man vom Herrn Jackson noch erwarten, wenn man sich diese Ästhetik betrachtet und diese Reinheit des Schauspiels – subtil, klar, ehrlich und human. Stanley Tucci als Massenmörder und Nachbar. Das ist die Brutalität. Sonst bekommt man kaum etwas zu Gesicht – Gott sei Dank. Ob ihm diese Rolle noch nachlastet? Ich denke nicht. (T.O.)

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