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Gewalt

Erste Lektüre: Überhöht und aufs Höchste stilisiert stochert, nein stolziert Robert Mitchum dem lieben Geld hinterher. Ich liebe dich. Ich hasse dich. Oh du lieber Gott. LOVE | HATE. Rechte Hand und linke Hand. Oh du lieber Gott. In Gestik und Mimik; in den inszenierten Charakterzügen konterkariert Robert Mitchum sich selbst – bösartig, locker, süffisant, besessen. Dieser Film geht über Grenzen hinaus, lotet jeden Winkel des Filmbildes auf Teufel komm raus aus – expressionistisch, schattig, weich. Alles passt zusammen und stößt sich wieder ab. Alles ergibt sich einem Guss aus zwei Gegenpolen: Schwarz | Weiß; LOVE | HATE; Leben und oder Tod. Faszinierender Film: Schattierungen auf der Wand ergeben über dem Bett eine pyramidenförmige Kirche; das Schlafzimmer ein Altar des Fehlinterpretierten Glaubens. Welcher Glaube? Welches Leben? Gesänge in der kontrastreichen Landschaft durchdringen die die Charaktere. Magische Momente. Magisches Zusammenspiel aller filmischen Elemente. (T. O.)

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Zweite Lektüre: Schwarz und Weiß... Das ist der Film vom Material her und die gesamten Diskurse im Film lassen sich als oder in schwarz/weiß Tönen beschreiben: Schwarz ist der Hass, weiß ist die Liebe. Die biblische Konnotation ist offensichtlich und wird in vielschichtiger Hinsicht durchexerziert. Robert Mitchum als Harry Powell gibt mehrfach seine Geschichte seiner christlich argumentierten Kain und Abel Welt zum Besten – reines Schwarz-Weiß Denken. Hate und Love ergeben zusammen gesetzt das Weltbild von Powell, auf seinen beiden Händen über Tattoos verewigt. Seine Realität besteht aus reinem Hass, reiner Gier und das Morden macht selbst vor Kinderbeinen nicht Halt, zumindest die Mordabsicht ist omnipräsent. Skrupellos und verführerisch manipulativ steuert Powell durch das Land, auf Menschenjagd. Mehr bietet der Charakter nicht: Powell als personifiziertes Böses. Zunächst versucht er das durch seinen Charme zu kaschieren, dann lässt er die Maske fallen. Sein Gegenspieler ist der kleine junge John mit seiner noch kleineren Schwester Pearl und ihrer Puppe, in der sich 10000 Dollar befinden, auf die Harry Powell scharf ist. Die Gier des Reichtums. Im Grunde eine simple Konstellation und doch hoch komplex, provokant, bezeichnend. Charles Laughton dreht einen Meilenstein und es bleibt als Regisseur seine einzige Arbeit. Das mindert nicht die Bedeutung des Films. Kompositorisch ist Schwarz/Weiß auf dem Höhepunkt, ob der Farbe willen und ihrer Funktion als Handlungsentwickler. Die Nacht des Jägers ist in seinen Schattenspielen schablonenhaft durchkomponiert. Durch und durch schematisch: ein mathematisches Schachspiel. Die Musik als diegetische und extradiegetische Form in ihrer Essenz ein reines Kommentar – übertrieben im Kontrast. (T. O.)

Ich gehe zum Haus meiner Freundin. Nicht um sie zu lieben, gehe ich dorthin. Nicht aus Liebe. Sondern aus unbeschreiblich großem Hass. Ich gehe dorthin. Mein Gedanke ist ihr Tod. In meinem Kopf sehe ich meine Freundin mit ihrem roten und viel zu engen Kleid vor ihrem Freier tanzen. Ich gehe hin und komme an. In meinen mit rot-weißen Handschuhen bedeckten Händen halte ich eine Waffe und ein Messer. Ich komme bei meiner Freundin an, richte die Waffe auf sie und knalle sie ab. Kaltblütig. Gefühlskalt. Nachdem ich meine Freundin mit meiner Waffe abgeknallt und somit ermordet habe, schneide ich ihr mit meinem Messer [...]

Erste Lektüre: Pointiert trägt uns die Montage – innere wie äußere – durch den mittleren Westen. Immer im Zusammenspiel mit diesem stimmungsgebenden Lied: HATE, MURDER and REVENGE. Alles zusammen gibt einen wunderbaren Western, der weit mehr Facetten liefert, als uns der Prolog mit dem Lied verspricht. Da gibt es ferner den Diskurs um diese Frau/Mann Symbiose von Marlene Dietrich, die als Barmädchen begann und mit ihrer Ranch ein Mannsweib gibt, das keine Vergleiche kennt. Inwiefern Fritz Lang dabei gleichzeitig ein Bild von der Schauspielerin selbst zeichnet, ist eine interessante Frage. Definitiv kann man Genderproblematiken diskutieren, die gerade im Zusammenhang mit dem Western höchst spannend sind. Western meint zumeist eine Männerdomäne, in dem Frauen nur hübsches Beiwerk sind. In diesem Film löst der kaltblütige Mord an einer Frau am Beginn des Films die gerechte Selbstjustiz ihres Mannes aus – was ist schon gerecht. Die Männer, Räuber und Mörder, im Outlaw verstecken sich auf einer Ranch, die von einer Frau dominiert wird, für die sie quasi anschaffen gehen. Eine wunderbare Konstellation. Vielleicht der bessere Western von den Dreien Langs. (T.O.)

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Zweite Lektüre: Mit diesem Einstieg à la Brecht moralisiert Lang von Beginn an, weckt Versprechungen, die nicht enttäuscht werden: HATE, MURDER and REVENGE. Das ganze in Technicolor und ich kann nur diese miserable DVD-Version betrachten. Eine Sünde. Das Glücksrad als Schicksalsberg: chuck-a-luck. Der eigentliche Titel des Films. Aber viel interessanter natürlich, dieser fallende Star, diese Dietrich: „Risking your life for a bottle of perfume.“ Frenchy ist verrückt nach diesem Mannsweib, das nur scheinbar als solches auftritt. Ihre Sehnsucht und Fragilität – welches Klischee – werden eigentlich deutlich dadurch, dass sie diese zu unterdrücken versucht. Dabei schwingt in jeder Szene der eigentliche Mythos dieser Darstellerin mit, die sich nicht mit ihrem Alterungsprozess abfinden mag – welch jämmerliche Kreatur: „I'd wish you go away, come back 10 years ago.“ Altar Keane fleht darum ihre junge Schönheit nicht zu verlieren und findet sich nicht mit ihrem Alterscharme ab – er ist zweifelsohne da. Welch Tragik, welch Melancholie. Natürlich ist da in diesem Western kein richtiger Platz für sie. Sie bleibt Fremdkörper den ganzen Film und scheint erst mit ihrem Tod einen rechten Platz zwischen den Männerhelden gefunden zu haben. Der eigentliche Plot um die Rache eines Mannes für den brutalen Mord inklusive Vergewaltigung gerät dabei zum Nebenstrang. (T.O.)

Erste Lektüre: Tatsächlich war ich das erste Mal im Kino für einen James Bond Film. Trotzdem kenne ich einen Großteil der Reihe. Dieser Teil übertrifft jedoch das bisher Gesehene. Für mein Befinden steckt alles in diesem einem Film, was der Charakter all die Jahre verkörpert; ungeachtet der Darstellenden. Das obwohl oder (des)wegen seinem vorgetäuschten und fast glaubhaft inszeniertem Tod. Plötzlich ist er aus Liebe zu seinem Land oder Liebe/Aufrichtigkeit zu M, seinem Beruf wieder da. Das ist schon eine prägnante Aussage. Er lässt die Chance außer Acht ein Leben abseits eines Geheimagenten zu führen und entscheidet sich für sein land. Damit fällt auch die Entscheidung für das Offenlegen seiner Vergangenheit. Das tut der Interpretation des Bond von Daniel Craig absolut gut. Dadurch bekommt er Tiefe, die durch Witz enorm erhellend wirkt und meines Erachtens endlich dem charismatischen Schauspieler gerecht wird. Aber es gibt da noch einen anderen Darsteller, der nicht nur hier einen richtig perfiden Bösewicht zu inszenieren weiß: Javier Bardem par excellence. Die Sequenz seines ersten Auftritts stellt diese Schauspielkunst auf beeindruckende Weise aus: Stück für Stück nähert er sich der Kamera und besticht durch Gestik sowie Mimik, die ihm eingeschrieben ist, ihn erkennbar macht. Im Konnex mit der Handlung liefern alle Darstellenden hohe Bond-Film-Kunst. (T.O.)

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Zweite Lektüre: Erneut tauche ich ein in den Mythos James Bond, erneut in die Interpretation dessen durch eine Inszenierung von Sam Mendes. Und genau dieser schafft es wieder aufs Neue sich zu wandeln, neu zu definieren. Daniel Craig war ein Glücksgriff für die Auffrischung der Filmfigur vor Casino Royal. Mit Skyfall übertrifft sich nicht nur Craig – kämpferisch, fehlbar, leidenschaftlich, charismatisch. Skyfall hat extrem viele Höhepunkte und bietet vor allen Dingen alle Facetten, die die Figur James Bond zu bieten hat auf höchstem Niveau. Man kann diesen Film nicht nicht mögen, weil am Ende eine übertriebene, überladene (Kriegs)Orgie stattfindet, eine Waffengewalt sondergleichen. Bomben, Explosionen, Hubschrauber à la Apokalypse Now... All das bietet der Film in diesem Moment auf und all das negiert sich, weil es völlig sinnlos erscheint, nichts führt damit zum Ziel. Auch der Schmerz des Bösewichts wird durch alle Kugelgewalt nicht gestillt. Seine Sehnsucht nach Rache ist so unbeschreiblich groß und doch ist seine Schwäche gegenüber seinem Hassobjekt M sein Tod. Diesen Tod führt Bond in the old way herbei und in diesem Sinne steht der ganze Film für eine Rückbesinnung auf vergangene Zeiten ohne jedoch die Neuen völlig zu negieren. Es geht nur um ganz bewusste Entscheidungen gegen die völlig digitalisierte und globalisierte Welt. Das gelingt dem Film mit bravour und man mag gespannt sein mit der neuen Ära, die dort angebrochen ist: neue Darsteller mit Ralph Fiennes und Naomi Harris; alte Strukturen und Rückbesinnung auf Stärken. Im Grunde führen die Produzenten ihren Weg seit Casino Royale konsequent weiter und können sich aufgrund des ungeheuren Erfolgs mehr als bestätigt fühlen. Man mag gespannt sein. (T.O.)

„I don't know my way home.“ Amy kehrt mit ihrem Mann David Summer in ihr englisches Dorf zurück. Nach sechs Jahren Abwesenheit wieder nach Hause kommen, mit alten Erinnerungen und neuen Erwartungen. Richtiges Dorfleben: Für die Kinder ist der Friedhof gleichzeitig Spielplatz; für die Erwachsenen ist der Pub Zeitvertreib durch und durch. Alkoholismus, Gewalt, Vergewaltigung. Peckinpah am tiefen Abgrund der Gesellschaft. Die Ambivalenzen und Dissonanzen treiben sich zum Höhepunkt. Sexuelle Provokation gleich zu Beginn: Amy trägt keinen BH. Close Up ihrer Brüste, deren Nippel durch ihren Sweater hindurch zu sehen sind. Schnitt. Charlie, ein alter Freund von Amy, lächelt und geht auf sie zu. Amy ist im Schlepptau mit einem Geburtstagsgeschenk für ihren Mann. Eine riesige Bärenfalle, die sie zynisch einen Menschenfänger nennt. Peckinpah fällt mit der Tür ins Haus. Die Situation ist von der ersten Minute an bedrohlich. Das Duell zwischen Charlie und David ist eröffnet. Trotz der anscheinend simplen Konstellation besticht der Film durch seine Komplexität in Schnitt und Musik, die dessen Vielschichtigkeit konstituieren. Es lebe die Montage! Peckinpah und die Vergewaltigungsszene. Das ist das Kino an seinem Extrempunkt, in einer furchteinflößenden Form – ambivalent, brutal, hinterlistig. Die Bilder bleiben in Amys (und in meinem) Kopf kleben und kehren immer wieder. Die Vergewaltigung an ihr ist das Spiegelbild eines Unfalls zwischen der jungen Janice, die in ihrer Naivität irgendjemanden verführen will. An diesem Unfall bauscht sich die Situation im Dorf auf, die bereits bis zum Anschlag aufgeladen ist. Der Film lässt den Zuschauenden in keiner Sekunde in Ruhe, nichts führt hier zur Entspannung – hochexplosiv, bedrohlich, tödlich. Im Nebel belagern fünf Männer das Haus der Summers, darunter zwei ihrer Vergewaltiger. David ist fest entschlossen sein Haus und den flüchtigen Niles vor diesem Mob zu schützen – manisch, überlegt, über sich hinaus wachsend. In der Dunkelheit die Selbstverteidigung. Showdown zwischen Leben und Tod. (T. O.)

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