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Sex

Da wird gefickt. Rein und Raus. Raus und Rein. Ficken und Tod. Nicht Ficken und Leben. Da wird gefickt und jemand stirbt. Nebenan. Dort wird gefickt und dort drüben stirbt ein kleines Kind. Etwas einst Geborenes stirbt. Ist also tot. Ja. Erst wurde es geboren. Jetzt ist es mausetot. Doch nicht durch das Ficken derer die das Geborene fickend erzeugt haben, ist ein Kind gestorben, sondern durch das was verborgen ist, durch das was verschollen, nein, vergraben worden ist und weiter vergraben wird. Mit dem Ficken oder Gefickt werden weiter eingraben. Immer wieder etwas Neues darauf schütten oder schütten lassen. Dort unten. Tief im Innern kann das Eingegrabene oder Zugeschüttete nicht gehört und nicht gesehen werden. Es ist aus dem Sinn. Nicht aus der Welt. Das nun nicht gleich. Aber aus dem Sinn. Also noch einmal. Mann und Frau ficken. Wild. Hemmungslos. Hart. Sie ficken und ihr eigenes Kind stirbt. Nebenan sieht dieses Kind erst seine Eltern ficken und dann geht es zum Fenster und stirbt. Das Kind fällt. Das Kind fällt und die Welt stürzt ein. Für die beiden Fickenden bricht eine Welt zusammen. Das ist das Ende (nicht des Films, aber zumindest ein Ende des bisherigen Lebens). Das ist der Tod. Das Kind ist tot. Mann und Frau zurückgelassen. (T.O.)

Ich habe gesündigt
Ich bin ein Sünder

Ich bin Mörder
also gleichzeitig Sünder
Ich bin untreuer Ehemann
also gleichzeitig Sünder

Wie komme ich frei von Sünde?
Wie daraus ausbrechen?

Ein Sünder bin ich
welcher Sterben verdient

(T.O.)

So klar, so rein, so hell ausgeleuchtet, dass Unschuld und Reinheit offenbar werden: Das ist Cathrine Deneuve in oder als Belle de jour – schön und Tag; die Schöne vom Tag. Die Kontroverse dass sie in ihrer ehelichen Frigidität von einem mit masochistischen Anwandlungen sexuellen Leben träumt, führt zum unerwarteten Handeln ihrer Figur, den Gang in die nachmittägliche Prostitution. Zur einen Seite also ein Leben des Scheins; zur anderen Seite der völligen Entblößung und Entmachtung, denen sie sich jedoch beiden freiwillig bzw. zwanglos gestellt hat. Das verstört zunächst ungemein, da die Erwartung überhaupt nicht gegeben ist. Im Laufe des Films fühle ich mich so langsam in die Figur ein, die ihre Aktion selbst gar nicht begründen kann. Buῆuel umwebt ihre Entscheidungsgewalt mit Montageelementen, die Raum für Deutungen geben. Séverine als Kind, berührt vom Vater oder Großvater, dass die Gründe ihrer sexuellen Verstörung darin erkennbar wird. Zu Beginn ein gegenwärtiger Bezug, der von der Diskontinuität, dem Bruch zwischen dem romantisierenden Element der Kutsche im französischen Park und der Nötigung; Gewaltlust im sexuellen Erniedrigen durch ihren imaginierten – weil in ihrem Traum befindlichen – Ehemann. Das meint vielleicht eine Umkehrung seiner zarten und verständnisvollen Art im realen Leben, eine Form von Sehnsucht. Diese Sehnsucht mag möglicherweise durch ihre Erfahrungen im Freudenhaus gestillt werden. Bizarr bleibt die Stimmung, die durch Kontraste erzeugt wird; gleichzeitig wird damit eine ungeheure Spannungsvielfalt erzeugt, eine Imagination herausfordernd. An Erotik mangelt es durch eine Form von Ausfüllen potentiell überhaupt nicht. (T. O.)

Während der Aufführung hatte Ich solche Lust meine Gedanken nieder zu schreiben. Das ist wohl auch ein bisschen das Problem. Niemals kann Ich all das fassen, was Ich in der Aufführung gedacht habe. Naja. Versuch. Die Zuschauer sind scharenweise rausgegangen und man kann das irgendwo nicht verstehen. Das macht einen auch irgendwie unruhig. Man ist doch so gefangen von dieser Tanzperformance. Der Ausdruck des Körpers. Das ist hier auch gesprochene Sprache. Es gibt zwar auch das gesprochene Wort als diese Form von Sprache, aber der Körper dominiert. Auch Laute. Geräusche. Die ja unweigerlich vorhanden sind und einen auch mitreißen, hineinreißen in dieses Konstrukt, in diese Choreografie. Die ja definitiv eine Art der Choreografie ist, in dem sie ihre Struktur offen legt und unterläuft. Sie destruktuiert. Ich habe mich so hineingezogen gefühlt, berührt, konnte fast verstehen, was sie auszudrücken versuchten. In ihrem ganzen individuellen Ausdruck. Das ist schon bemerkenswert. Diese Musik. Die uns erst mitreißt und uns dann mit diesen Figuren in der Stille alleine lässt. Ja. Fast verloren. Einsam. Und die Figuren sind ja auch so einsam. Genau wie wahrscheinlich Ich mit meinem Gefühl der Zugehörigkeit. Weil das soll man ja eigentlich nicht. Das wird ja gerade unterlaufen. Das soll ja destruktuiert werden. Zerstört. Verstört. Ja. Man ist natürlich als Zuseher auch verstört. In seinen Erwartungen vielleicht enttäuscht. Sie wurden ja auch zerstört. Da kann man schon enttäuscht sein und diese Erwartungen was sind die? Will Ich etwas sehen, was Ich interpretieren muss? Wo es eine Wahrheit gibt? Oder kann Ich mich einfach nicht auf Neues einlassen? Kann Ich es nicht wirklich versuchen mich einzulassen auf dieses Experiment gegenüber meiner Wahrnehmung. Das was Ich sinnlich wahrnehmen kann und das was Ich fühle. Natürlich lacht man. Erkennt Szenen. Bewegungen. Topois für sich aus seinem Alltag wieder. Und irgendwie war mir auch ungemein heiß zwischenzeitlich. Der Schweiß der Figuren als mein eigener Schweiß. Meine eigene Körperperformance, die ja vielleicht auch eine ist, weil Ich diesen Körper in seiner Unruhe ja auch beruhigen muss, weil Ich ihn kontrollieren muss in meinem aufgerüttelt sein. Ja. Das muss man schon machen. Und was noch. Was spürt man noch? Mittrommeln wollen. Anschreien wollte Ich und die anderen Zuschauer zurechtweißen sollte Ich. Ich sie festhalten. Aufhalten. Genauso mitreißen. Weil Ich ja selbst so fasziniert davon bin. Das Stück was Ich sehe ist auch gleichzeitig das Stück, was Ich fühle. (T.O.)

Welche Formen kann der Sex alles annehmen, welche Anomalien, welche Perversionen; das klingt so abwertend; welche Leidenschaften. Die Lust ist ein wunderbares Laster, dass uns auch unbegründet zu Höhenflügen antreibt. Zu bestimmten Fragestellungen eine lustige, komische Episode, Situation schaffen; mal mit und mal ohne Woody Allen, relativ unmotiviert bzw. unbegründet die Geschehnisse, die Lust entwickelnd; völlig willkürlich teilweise und naturgemäß mit vielen Klischees behaftet, auch sprachlich variierend; ein verrückter und früher Film; wieder wie eine Studie, ein Essay für Allens spätere – weitaus komplexeren Filme. Trotzdem ist natürlich schon die standesgemäße Allenkomik vorhanden; die entwickelt er hier schon; den Wortwitz; den Hang auch Werke zu zitieren; hier natürlich nicht nur Shakespeares Hamlet. Nicht nur das. Ein spielerisches Komikgeschäft mit Hang zu lüsternen Eigenwilligkeiten – und trotzdem scheint die Episode über die Sodomie mit Tieren; ohne Allen; diese zu sein, die am Besten funktioniert; gerade eben weil die Konstellation in ihrer Absurdität so realistisch scheint – beschäftigen wir uns doch wieder mit der Improvisationskomödie. (T.O.)

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