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Stille

Die Kamera das Auge. Meine Kamera das Auge. Das Auge meine Kamera. Ich habe nur ein Auge geöffnet, weil ich mein anderes nicht mehr öffnen kann; weil ich mein anderes Auge nicht mehr öffnen darf. Ich sehe nur noch einseitig; das Leben sehe ich nur noch einseitig und auch wieder nicht. Mein Leben und das Nichts. Gefangen zwischen diesem Nichts und das was Leben ist. Gefangen und beraubt vom Körper. Ich bin gefangen in meinem Körper und wurde beraubt; so vieles wurde mir geraubt. Trotzdem sehe ich; trotzdem lebe ich; trotzdem kann ich sprechen, wenn ich will; nicht nur mit mir selbst; nicht nur mit den zahlreichen Phantasiefiguren; nicht nur mit denen. Die Kamera mein Auge. Ich und die Kamera. Das bin Ich. Das ist der Film. Ja. Ich bin ein Teil eines Films. Ich bin Film geworden. Jetzt sieht man mich; jetzt hört man mich. Durch die Kamera. Durch Kaminskis Augen hindurch. Meine Augen blicken durch Kaminskis Augen hindurch. Kaminski und die Kamera starren mich an; verfolgen mich und man sieht ein Teil dieser Welt; dieser konstruierten Welt. Durch eine Schnabelwelt. Ich wünschte, ich könnte das mit eigenen Augen sehen, was die Filmemacher mit ihren Augen betrachtet haben. Ich wünschte ich könnte weinen; könnte lachen; könnte schreien mit meinem eigenen Körper; durch meinen eigenen Körper schreien. Aber mich hört niemand mehr; mich kann auch niemand mehr sehen. Nur durch die Augen anderer. Augen, die nicht verschlossen sind; die weit geöffnet auf mein Leben starren; ihm faszinierend gegenüber stehen; vertrocknete und verschwommene Augen; Augen mit einem besonderen Glanz. All die Augen und mein gelebtes Leben. Was kann ich mir mehr wünschen; von was kann ich mehr träumen; phantasieren. Was kann ich mir besseres vorstellen, als diese Bilder durch andere Augen. (T.O)

Was ist ein idealer Sonntag für mich mehr als ein Nachmittag voller Ruhe, Stille und verwurzelter Erholung. Die Stille des Bildes bestimmt sich in der Starrheit der Figuren; Wurzeln schlagend und fast verankert im Selbst. Die Lektüre eines Buches ist eine Vertiefung in jenes Selbst; das Selbst der Figuren im Bild und das Selbst meines Ich. Tief verborgen; tief eingeschlossen. In aller Ruhe und doch: Ein Funken Erotik in einer matten, sehr bräunlichen Farbgebung, wenig Kontrast. Die übermäßig geschminkte und frisierte Frauenfigur, welche ihre wurzelnden Fühler still hält. Die leger auf der Couch liegende Dame mit aller zurückhaltenden Eleganz, ihr rechtes Bein in den Mittelpunkt meiner Blickrichtung gelegt.

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